Natursteine aus Kinderarbeit - keiner will sie. Aber wie erreicht man, dass sie auf Friedhöfen, auf Marktplätzen und in Häusern keine Verwendung finden? Diese Frage stand im Mittelpunkt des "Runden Tisches Natursteine", zu dem Gerald Weiß als Vorsitzender der Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion eingeladen hatte.
Klares Ergebnis: Die Betroffenen müssen eine gemeinsame Lösung finden - Steinmetze, Händler, Verbraucher, Kinderrechtsexperten und Politiker. "Wir brauchen einen Runden Tisch als Institution", war denn auch eines der Ergebnisse der Veranstaltung. Und so soll der Dialog fortgesetzt werden.
Hintergrund: Ein Großteil der in Deutschland verwendeten Steine stammt auf Asien. "Vor allem deshalb, weil die asiatischen Steine wesentlich billiger als die europäischen sind", erläuterte Friedel Hütz-Adams, der beim Südwind-Institut in Siegburg zu dem Thema forscht. Zumindest in einem Teil der asiatischen Steinbrüchen herrschten aber katastrophale Arbeitsbedingungen. Kinderarbeit sei nur eines der Probleme, so Hütz-Adams. Fehlender Arbeits- und Gesundheitsschutz sei ein anderes - mit der Folge, dass die in Steinbrüchen Arbeitenden unter der Staublunge leiden und früh arbeitsunfähig werden.
Viele Städte haben sich deshalb auf den Weg gemacht, ihre Friedhofssatzungen zu ändern. Ziel: Steine aus Kinderarbeit sollen auf Gräbern nicht aufgestellt werden dürfen. Doch solche Regelungen sind von Gerichten gekippt worden. "Das Thema eignet sich nicht für juristische Spitzfindigkeiten. Wenn wir uns im Ziel einig sind, muss es auch eine Lösung geben", sagte Gerald Weiß.
Wolfgang Simon, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Steinmetze, ließ keinen Zweifel daran, dass auch aus Sicht der Steinmetze Kinderarbeit nicht hinnehmbar sei. Viele Steinmetze hätten deshalb den Ausschluss von Kinderarbeit in Verträge mit Händlern geschrieben. "Aber gerade Kleinbetriebe können das nicht überprüfen", so Simon.
Benjamin Pütter vom Verein "XertifiX" hat eine Lösung parat: ein unabhängiges Siegel. "Eigenverpflichtungen bringen nichts", sagte Pütter. Vor einigen Jahren hat er deshalb gemeinsam mit anderen damit begonnen, Xertifix aufzubauen. Xertifix führt unabhängige, unangemeldete Kontrollen in indischen Steinbrüchen durch. Steine, die man ohne Bedenken kaufen kann, bekommen dann ein Siegel. Das Argument, aufgrund der Größe des Landes seien wirkliche Kontrollen in Indien nicht möglich, ließ Pütter nicht gelten. "Die Zahl der Steinbrüche ist überschaubar." Auch der Verein Win-Win engagiert sich in Asien. Ein einheitliches, möglichst europäisches Siegel - diesen Wunsch äußerten viele Teilnehmer des Runden Tisches.
Peter Weiß, stellvertretender Vorsitzender der Arbeitnehmergruppe, nannte ein weiteres wichtiges Ziel: Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit müssten den Kindern Alternativen, vor allem der Zugang zu Schulen, geboten werden. "Kinderarbeit nur zu verbieten, ist zu kurz gesprungen."
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