„Der Pflegezug fährt, er stockt manchmal, er ruckelt, aber er steht auf dem richtigen Gleis und deshalb wird er auch seinen Hauptbahnhof erreichen, so wahr ich Norbert Blüm heiße“, sagte der erleichterte Bundessozialminister vor 25 Jahren nach der Einführung der Pflegeversicherung...

Bis dato gab es keine solidarische Pflegeversicherung. Wer krank und pflegebedürftig war, wurde schnell zum Sozialhilfeempfänger. Blüm bezeichnete die Pflege daher einige Jahr später als „letztes großes Thema des Sozialstaats“. Unter viel Einsatz der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft wurde am 22. April 1994 der jüngste Zweig der Sozialversicherung vom Deutschen Bundestag verabschiedet. Insbesondere der CDA-Spitze aus Norbert Blüm, Bernhard Worms, Karl-Josef Laumann und vielen weiteren, ist es zu verdanken, dass die Pflegeversicherung überhaupt eingeführt wurde.
Denn Gegenwind gab es von Seiten des Koalitionspartners FDP sowie von den Arbeitgeberverbänden. Sie sprachen damals von der „größten Torheit der letzten Jahrzehnte“. Anstatt einer solidarischen, paritätischen Versicherung wollten sie eine privatwirtschaftliche, kapitalgedeckte Pflegeversicherung durchsetzen. Bis zuletzt wurde daher über die Finanzierung gezankt. Dreimal tagte der Vermittlungsausschuss. Bis zur letzten Minute war das Reformwerk gefährdet. Blüm drohte mit Rücktritt. Und setzte sich letztlich mit Hilfe der SPD durch.

Dank seiner Mühen gibt es heute eine Versicherung, die von Arbeitgebern und Arbeitnehmern paritätisch finanziert wird. Doch der Kompromiss kam nicht ohne Opfer zu Stande. So wurde noch im selben Jahr zur Finanzierung der Arbeitgeberanteile der Buß- und Bettag abgeschafft. 25 Jahre später bezweifelt wohl kaum noch jemand, dass die Pflegeversicherung in der alternden Gesellschaft notwendig ist. Mit ihrer Einführung profitierten damals direkt 1,7 Millionen Menschen von den neuen solidarischen Leistungen. Heute können sich 3,7 Millionen Pflegebedürftige auf die Sozialversicherung verlassen. Für diese Lebensleistung wird Norbert Blüm wohl immer in Erinnerung bleiben.

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