Norbert Blüm war einer der bekanntesten CDA-Vorsitzenden. Als Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung hat er in den 80er- und 90er-Jahren die Sozialgesetzgebung in Deutschland maßgeblich geprägt. 2016 feiert die CDA ein rundes Jubiläum. Für die SO! blickt Blüm zurück auf 70 erfolgreiche Jahre.

Jubiläen sind Erinnerungstage! 70 Jahre CDA sind eine lange Zeit. Die CDA ist kein Strohfeuer. Gegründet wurde die CDU von Frauen und Männern, die vor allem aus der christlichen Arbeitnehmerschaft kamen. Jakob Kaiser war in Berlin Mitinitiator der CDU-Gründung. Dabei war auch Mina Amann, eine bewährte christliche Gewerkschafterin, die Kaiser nach dem Attentat am 20. Juli 1944 in ihrem Keller versteckt und ihn bis zum Kriegsende mit ihren auf Lebensmittelkarten bezogenen Lebensmitteln durchgefüttert hat.

Kaiser war später der erste Vorsitzende des Sozialausschusses. Mina Amann leitete das Adam-Stegerwald-Haus in Königswinter. Karl Arnold war in Düsseldorf Mitbegründer der CDU und später Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen. Johannes Albers entkam am Kriegsende in Berlin der Gestapo-Gefangenschaft. Er wanderte zu Fuß nach Köln, wo er vier Tage nach seiner Rückkehr die ersten Sprechstunden für hilfsbedürftige Bürger im zerstörten Kolpinghaus hielt. Albers war Mitbegründer der CDU Köln und Mitverfasser der „Kölner Leitsätze“, die eines der ersten CDU-Parteiprogramme waren. Er war nach Kaiser Vorsitzender der Sozialausschüsse.

Adam Stegerwald war Mitbegründer der CSU in Würzburg und früher Vorreiter der Idee einer christlichen Volkspartei, deren Konzeption er seiner Zeit weit voraus bereits 1920 auf dem Kongress der Christlichen Gewerkschaften in Essen vorschlug. Die Nachkriegssozialpolitik im Westen trägt die Handschrift der Sozialausschüsse. Bedeutende Sozialgesetze verdanken der CDA als treibende Kraft ihr Entstehen:

• Montan-Mitbestimmung 1951
• Miteigentumsgesetze 1953
• Dynamische Rente 1957
• Arbeitsförderungsgesetz 1968
• Pflegeversicherung 1994
• Mindestlohn 2015

Das stärkste Stück der Sozialausschüsse war für mich der Kampf um die paritätische Mitbestimmung. Wir verloren auf dem Hamburger CDU-Parteitag 1973 mit Pauken und Trompeten. Aber wir hatten unser Kreuz nicht gebeugt. Wir blieben Stachel im Fleisch der Gesellschaft und weit über der CDU hinaus.

Diese Zeit des Sozialausschusses unter Hans Katzer als Vorsitzender hat mir bewiesen: Man kann auch im Verlieren gewinnen. Kompromisse sind gut. Unzählige habe ich in meinem Leben mitgemacht. Aber nicht um jeden Preis. Man muss auch riskieren zu verlieren. Freilich, gewinnen ist erstrebenswerter.

Deshalb: Christlich-Demokratische Arbeitnehmer werden nie, weder in der CDU noch im DGB, „Besitzer“ einer satten Mehrheit sein, sondern sie müssen aber immer „Beweger“ für eine bessere Welt sein. Es bewegt sich viel in dieser Zeit! Wohin?

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