Immer mehr Solo-Selbstständige gibt es in Deutschland. Über zwei Millionen sind es mittlerweile. Das sind etwa fünf Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland. Ihr Vorteil ist, dass sie nicht an einen einzelnen Arbeitgeber gebunden sind. Nicht wenige nehmen dafür aber prekäre Verhältnisse in Kauf.

Jens Kippke ist als Homepage-Designer selbstständig und verdient in manchen Monaten weniger als die Grundsicherung. Mal geht es besser, mal geht es schlechter. Ein konstantes Einkommen ist selten. Macht doch insbesondere das geringe Entgelt Jens Kippke häufig zu schaffen. Damit geht es ihm wie vielen anderen Selbstständigen in Deutschland.

Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erhielten in den letzten Jahren circa ein Viertel der Solo-Selbstständigen ein Entgelt, das unter dem gesetzlichen Mindestlohn von 8,84 Euro lag. 2016 bezogen etwas mehr als 105 000 Selbstständige ergänzende Hartz-IV-Leistungen. Viele Selbstständige sparen zudem die Sozialversicherungsbeiträge ein, die in der Regel nicht in den Honoraren inbegriffen sind. Auch wenn ein Teil der Solo-Selbstständigen hohe Einkünfte erzielt, liegt das Einkommen des Durchschnitts deutlich unter dem vieler Angestellter.

Ein Teil dieser Selbstständigen arbeitet auf Basis von Dienst- oder Werkverträgen. Häufig sind sie von einem Arbeitgeber abhängig. Bei der Preisgestaltung sind sie in einer schwachen Position gegenüber dem Auftraggeber. Besonders betroffen sind davon Kreativberufe wie Musiker, Schauspieler und bildende Künstler, Publizisten oder Fotografen. Zunehmend werden in diesen Berufsbereichen Tätigkeiten hin zu Honorarkräften und Freischaffenden ausgelagert. Immer mehr Angestellte verlassen die Betriebskultur und werden zu Einzelkämpfern. Dadurch ist der Organisationsgrad unter den Solo-Selbstständig nur schwach ausgeprägt. Anstatt miteinander treten die Selbständigen in einen Wettbewerb untereinander.

Aber wie ließe sich die schwierige Lage vieler Solo-Selbstständigen auf dem Arbeitsmarkt verbessern? Das gewerkschaftsnahe Hugo-Sinzheimer-Institut für Arbeitsrecht (HSI) hat sich dazu Gedanken gemacht. Das Institut schlägt ein Mindestentgelt vor, das dem aktuellen Mindestlohn plus 25 Prozent Sozialabgaben entsprechen soll. „Durch die Plattform-Ökonomie beobachten wir eine zunehmende Anzahl an Solo-Selbstständigen, die über keine soziale Absicherung verfügen. Das Mindestentgelt soll eine absolute Mindestabsicherung für diese Erwerbstätigen gewährleisten“, erläutert Johannes Heuschmid, einer der Initiatoren des Vorschlags. Die Niederlande und Polen sind uns da schon voraus: Hier wurden ähnliche Vorschläge bereits umgesetzt.

Die geringe Entlohnung ist eines der Hauptprobleme, findet auch Jan-Peter Wahlmann, Vorstand der Allianz Deutscher Designer. „Trotz Tarifvertrag werden Dienste bei uns in Teilen der Branche zu sehr niedrigen Preisen angeboten. Die knappe Auftragslage führt zu einem Unterbietungswettbewerb, an dem die Selbstständigen häufig selbst schuld sind. Die zunehmende Digitalisierung der Auftragsvergabe wird diesen Wettbewerb noch weiter befeuern“, befürchtet Wahlmann.

Ein Mindestentgelt könnte laut dem HSI Schutz vor Sozialdumping bieten und zugleich den Steuerzahler entlasten. Auch der Homepage-Designer Jens Kippke würde ein Mindestentgelt begrüßen. Für ihn würde sich dadurch der Unterbietungswettbewerb verringern und der Lohn auf einem Minimalniveau einpendeln.

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