Am 18. März 2018 ist wieder Equal Pay Day. Statistisch arbeiten die Frauen in Deutschland bis zu diesem Tag kostenlos, weil sie für die gleiche Arbeit durchschnittlich 21 Prozent weniger Lohn als Männer erhalten. Annette Niederfranke von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) fordert mehr Engagement zur Schließung der Lohnlücke.

Das internationale Völkerrecht spricht eine deutliche Sprache in Bezug auf geschlechtergerechte Bezahlung. Die Kernarbeitsnormen „Gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit für Frauen und Männer (1951)“ und „Verbot der Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf (1958)“ der ILO bilden die rechtliche Grundlage und haben Menschenrechtsstatus. Über 90 Prozent der 187 ILO Mitgliedsstaaten haben diese Normen ratifiziert, Deutschland bereits 1956. An einer rechtlichen Selbstverpflichtung zu Equal Pay fehlt es also nicht, allerdings an der Durchsetzung.

Die Fakten sprechen für sich: Weltweit besteht eine Entgeltlücke von 23 Prozent. Deutschland liegt mit 21 Prozent zwar geringfügig darunter, dafür bleibt es jedoch hinter vielen seiner europäischen Nachbarn zurück (EU-Durchschnitt: 16 Prozent). Frauen bekommen nicht nur einen geringeren Stundenlohn, sie arbeiten auch weniger bezahlte Stunden als Männer. Dabei arbeiten sie insgesamt länger – bis zu zweieinhalb mal so lang, wenn man bezahlte und unbezahlte Arbeit, wie z.B. Familienarbeit, zusammenrechnet.

Konkrete Fortschritte sind überfällig. Dafür müssen die Ursachen der Entgeltlücke bekämpft werden.

Die breite Mehrheit in Politik und Gesellschaft hat mittlerweile erkannt, dass diese nicht individuell durch Frauen, sondern strukturell verursacht sind.Dabei ist Equal Pay ein wesentlicher Teil guter Arbeit und die Durchsetzung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Besonders in der Verantwortung stehen dabei neben der Regierung die Sozialpartner.

Um “gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit" durchzusetzen, müssen öffentlicher Sektor wie Wirtschaft die Gleichwertigkeit unterschiedlicher Tätigkeiten und Branchen bewerten. Allein die Vergleichbarkeit könnte zu einer Aufwertung ganzer Branchen führen, allen voran der Pflegeberufe. Gesetzliche Maßnahmen müssen also ergänzt werden um überprüfbare Verfahren zur Arbeitsplatzbewertung, wie z.B. den ILO-Leitfaden. Erfahrungen aus Skandinavien und Kanada zeigen, dass eine wesentliche Ursache der Entgeltlücke so wirksam behoben werden kann.

Internationale Initiativen bringen Schub in die Umsetzung. ILO, OECD und UN-Women haben auf der UN-Vollversammlung 2017 die Equal Pay International Coalition gegründet. Ziel der Koalition ist es, die besten Fakten, Argumente und Strategien zusammenzuführen. Auf der Plattform können Staaten, Gewerkschaften, Unternehmen und Organisationen der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten und sich auf gemeinsame Ziele und Wege zur Umsetzung einigen. Voneinander lernen, miteinander neue Strategien entwickeln – Equal Pay bekommt damit ein internationales Gewicht, von dem die Durchsetzung in Deutschland profitieren wird.

Annette Niederfranke im Interview:

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