Nicht mal eines von fünf Mitgliedern der neu gewählten CDU/ CSU-Bundestagsfraktion ist eine Frau. CDA-Hauptgeschäftsführerin Eva Rindfleisch geht der Frage nach, woran das liegt - und welche Konsequenzen nun zu ziehen sind.

Es hat sich schon früh abgezeichnet. In Hamburg wurde die Landesliste für die Bundestagswahl aufgestellt: Unter den ersten fünf und damit auf allen aussichtsreichen Plätzen fand sich keine einzige Frau. Am 8. Dezember 2016 war damit schon nahezu sicher: Die CDU Hamburg wird in den nächsten vier Jahren ausschließlich von Männern im Bundestag vertreten sein. Damit hat sich der Landesverband vorzeitig und sehenden Auges die traurige rote Laterne mit Blick auf die Frauenquote gesichert. Der Protest innerhalb der Parteiführung fiel trotzdem leise aus. Vielleicht war man der Ansicht, wenn ein kleiner Landesverband das selbst gesetzte Quorum nicht erfülle, sei das nicht so dramatisch. Eine Frau mehr oder weniger - kein Grund zur Aufregung?

Am 24. September wurde dann jedoch das Gewissheit, was viele (Frauen) schon über den Sommer haben kommen sehen. Mit 19,9 Prozent haben CDU und CSU in dieser Legislaturperiode den niedrigsten Frauenanteil in ihrer Fraktion seit 1998. Wie konnte das passieren, wo wir in der letzten Legislatur mit 25 Prozent Frauen in der Fraktion auf einem so guten Weg schienen, unser 30 Prozent-Frauenquorum von den Landeslisten auch in das höchste Parlament zu tragen? Die Antwort liegt weniger in Hamburg als vielmehr im Wandel der politischen Landschaft in Deutschland. Hamburg war der einzige Landesverband, der sich so offensichtlich über das Parteistatut hinweggesetzt hat. Andere Landesverbände besetzten sogar bis zu 50 Prozent der Listenplätze (Bremen) mit Frauen. Gebracht hat es nichts, denn dieses Jahr haben die Listen (fast) nicht gezogen! In 12 Bundesländern wurden alle CDU- bzw. CSU-Mandate über Direktkandidatinnen und vor allem -kandidaten besetzt. Insgesamt sind nur 14 von 246 Abgeordnete der Union über die Landeslisten eingezogen.

Mit dem Abstieg der SPD von einer stolzen, großen Volkspartei zu einer Partei, die mit Mühe die 20-Prozent-Hürde bei den Wahlen genommen hat, hat sich die Rolle der Landeslisten für die Union grundlegend verändert. Der Einzug in den Bundestag wird für Unions-Politiker und -Politikerinnen heute mehr denn je dadurch entschieden, wer in einem gewinnbaren Wahlkreis antritt.

In gut 20 Prozent der Wahlkreise wurden Kandidatinnen ins Rennen geschickt. Nicht ohne Grund etwa der gleiche Prozentsatz, wie jetzt auch Frauen in der Fraktion vertreten sind. Von den 49 Mandatsträgerinnen sind nur vier über die Liste eingezogen. Wenn es der CDU mit der Frauenförderung weiter ernst ist, dann braucht sie mehr Wahlkreiskandidatinnen! Und das Problem geht weit über die Frauenfrage hinaus. Die Jüngeren hat es genauso getroffen, auch ihr Anteil in der Fraktion ist deutlich zurückgegangen. Und auch für uns Christlich-Soziale hatte der sinkende Einfluss der Listen dramatische Folgen. Zwar ist der Abstand unserer Kandidatinnen und Kandidaten – die oft auch in sozialdemokratischen Hochburgen wie dem Ruhrgebiet antreten – auf SPD-Bewerber viel kleiner geworden, aber für das Direktmandat hat es oft trotzdem nicht gereicht. Die Folge ist eine geschrumpfte Arbeitnehmergruppe.

Die CDU ist die letzte verbliebene Volkspartei in Deutschland. Damit sie es bleibt, müssen unsere Abgeordneten die Vielfalt der Gesellschaft auch widerspiegeln. Das geht nur über die Besetzung der Wahlkreise. Ein Quorum wird uns dabei nur bedingt helfen. Die Besetzung der Wahlkreise hängt vielmehr vom Willen und der Aufmerksamkeit unserer Vorsitzenden ab. Es ist ihre Aufgabe, im Vorfeld Einfluss zu nehmen und zum Beispiel eine überwiegend männliche Besetzung der aussichtsreichen Wahlkreise nicht hinzunehmen.

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