Bäume sind seit jeher ein natürlicher CO2-Speicher. Ein Hektar Wald filtert bis zu fünfzig Tonnen Ruß und Staub aus der Luft, setzt 15 bis 30 Tonnen Sauerstoff im Jahr frei und bindet etwa zehn Tonnen CO2. Entsprechend rückt das Pflanzen von Bäumen als Mittel gegen die globale Erwärmung in den Fokus. Doch der Wald ist global bedroht. Und auch die Möglichkeiten zur CO2-Kompensation sind begrenzt.

Hitzerekorde und Extremwetter-Ereignisse sind nicht spurlos an den deutschen Wäldern vorbei gegangen. Dürre, Brände, Stürme und Schädlinge setzen den Forsten immer stärker zu. 110.000 Hektar sind deshalb seit dem vergangenen Jahr verloren gegangen, bilanziert die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände.

Allein im Jahr 2018 hat es rund 1.700 Mal in deutschen Wäldern gebrannt. Viermal so viel wie im Jahr zuvor. Und auch in diesem Jahr wüten vielerorts die Brände. Besonders betroffen sind die östlichen Bundesländer. Ausgerechnet dort, wo durch die dünne Besiedlung verhältnismäßig sehr wenige Löschfahrzeuge zur Verfügung stehen.

Nicht nur in Deutschland brennen die Wälder. In Sibirien stand im August zeitweise eine Fläche von 3,2 Millionen Hektar Wald in Flammen – das ist etwa die Größe von Nordrhein-Westfalen. Aber auch in Kalifornien, Portugal, Kroatien und vielen anderen Ländern der Welt hat die Häufigkeit von Waldbränden zugenommen. Allein im Juni 2019 haben Flächenbrände in der Arktis über 50 Megatonnen Kohlendioxid freigesetzt. Das ist ungefähr so viel wie die jährlichen Emissionen von Schweden.

Nicht nur das Feuer, auch der Mensch wird zunehmend zum Feind des Waldes. Der Schaden, der allein durch Brandrodungen in Brasiliens Regenwäldern diesen Sommer entstanden ist, lässt sich noch nicht beziffern. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller geht davon aus, dass jährlich mehr als 7,6 Millionen Hektar Wald gerodet werden. Vor allem Tropenwald muss viel zu oft für den Sojaanbau weichen. „Dies ist nicht nur ein unermesslicher Verlust für die Biodiversität, die Zerstörung von Regenwald trägt auch 12 Prozent zum weltweiten CO2-Ausstoß bei.“ Er fordert daher in Handelsabkommen eine verbindliche Kennzeichnung für Sojaimporte aus Lateinamerika. Das Entwicklungsministerium unterstützt nach eigenen Angaben weltweit 200 Vorhaben zum Waldschutz. Mit deutscher Hilfe seien bislang weltweit 100 Millionen Hektar Wald gesichert worden.

Kann Aufforstung den Klimawandel verhindern? Für ein Industrieland wie Deutschland mit hohem Ausstoß und geringen Freiflächen kann Aufforstung nur ein (kleiner) Beitrag auf dem Weg zu einer klimaneutralen Wirtschaft sein. Um unseren heutigen jährlichen Ausstoß durch Bäume zu binden, müssten unsere Waldflächen um das Neunfache auf rund 90 Millionen Hektar wachsen. Landwirtschaftliche Anbauflächen müssten weichen, die Zersiedelung der Kulturlandschaft behoben werden.

Auch global gedacht, ist das Aufforsten eine Mammutaufgabe. Die Fachzeitschrift „Science“ hat berechnet, dass zwei Drittel der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen mit zusätzlichen Waldflächen gebunden werden könnten. Allerdings müssten dazu die weltweiten Wälder um 0,9 Milliarden Hektar vergrößert werden – das entspricht in etwa der Fläche der Vereinigten Staaten.

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