Im Dezember 2011 jährte sich der Geburtstag des Mainzer Bischofs von Ketteler zum 200. Mal. Christine Sentz, Referentin der CDU/CSU - Arbeitnehmergruppe im Bundestag, erinnert an sein Wirken.

„Wenn es keine anderen Potenzen mehr in der Welt gäbe als jene, welche uns die große liberale und die radikale Partei vorschlagen, so ginge Deutschland dem Zustande entgegen, wo wir es in zwei Hälften teilen können, in die reichen Börsenmanager und Spekulanten (...) und die von ihnen absolut abhängige Arbeitermasse (...). Müssen wir unser deutsches Volk dieser neuen Sklaverei entgegengehen lassen und ruhig zusehen, wenn man noch dazu diesem Volke den Wahn beibringt, dass dieser Zustand Fortschritt, Freiheit, Aufklärung und Glückseligkeit sei?“ Diese Analyse könnte aus einer aktuellen SO! stammen. Sie wurde aber vor fast 150 Jahren von Wilhelm Emmanuel von Ketteler abgefasst.

Der Mainzer Bischof war Mitglied der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche und von 1871 bis 1872 Abgeordneter im ersten Deutschen Reichstag. Er hat als Arbeiterbischof das soziale Gewissen der Christen geprägt und sich in die sozialen Debatten seiner Zeit eingemischt. Sah er die sozialen Missstände des 19. Jahrhunderts zunächst im Glaubensabfall
begründet, führte er sie bald auf Gewerbefreiheit und „antichristlichen Liberalismus“ zurück. In einem Referat 1869 machte er schließlich als Grundproblem der sozialen Frage die Übermacht des Kapitals aus. Doch er erkannte auch Vorteile von Industrialisierung und Liberalisierung und strebte Reformen im bestehenden
System an.

Ketteler nahm Staat, Arbeiter und Kirche in die Pflicht. Der Bischof bereitete damit den Weg in die moderne Sozialpolitik. Selbst Otto von Bismarck, in kirchenpolitischen Fragen mit Ketteler über Kreuz, musste zur Durchsetzung seiner Sozialgesetzgebung sagen: „Ohne Ketteler wären wir noch nicht so weit.“ Ketteler forderte für Arbeiter die Möglichkeit, sich in Gewerkschaften zu organisieren. Der Kirche oblag es, sich um die Menschen und die Entstehung von religiös-sittlichen Heilkräften zu kümmern. Auch heute geben die Schriften Kettelers Impulse. Es gilt, die ethische Konstante im Menschenbild in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zur Geltung zu bringen. Dem ist die Sozialpolitik der Union verpflichtet.

Ketteler beantwortete die eingangs gestellte Frage so: „Das Christentum hat den Geist der Sklaverei gebrochen. (...) Der antichristliche Zeitgeist ist auf dem besten Wege, das alte Sklaventum in neuer Form wiederherzustellen, und er wird dabei von einer ungläubigen, materialistischen Wissenschaft unterstützt (...). Da ist es wieder die Aufgabe des Christentums, die Welt auch von dieser neuen Form der Sklaverei zu befreien“.

Weitere spannende Informationen über Bischof von Ketteler finden Sie auch auf der Internetseite www.cdu-geschichte.de.

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