Etwa 30 Gäste waren der Einladung der Kreis Biberach-Verbände von CDU, CDA und MIT ins Rief-Haus in Winterstettenstadt gefolgt.

Mit der Europa-Hymne läutete eine kleine Besetzung des Winterstetter Musikvereins das für Wahlkampfzeiten etwas ungewöhnliche Thema „Afrika verstehen lernen - Chancen nutzen“ ein. Diese Hymne aus Beethovens 9. Sinfonie sei vor gut 195 Jahren in Wien uraufgeführt worden und habe damit einen Text von Friedrich Schiller vertont -
„Alle Menschen werden Brüder“.

Damals Utopie, heute ist das Glücksgefühl erreicht, zumindest weitestgehend in Europa. Das vergessen wir manchmal.

so Marc Zinser, der für die CDA die europapolitische Relevanz des Themas herausstellte. Florian Steidele, MIT-Vorsitzender im Kreis erinnerte an die exportstarken Mittelständler im Kreis und forderte, Afrika mehr in den Blick zu nehmen, denn Handel steigere den Wohlstand für beide Seiten. Josef Rief MdB begrüßte die Gäste für die CDU und seinen Kollegen im Bundestag, den Parlamentarischen Staatssekretär im Ministerium für Entwicklung (BMZ), Norbert Barthle MdB.

Im Wesentlichen gebe es fünf Megatrends, die die Entwicklung von Afrika erschwerten, so Barthle: Bevölkerungswachstum, Klimawandel, Globalisierung, Digitalisierung,
Urbanisierung / wachsende Mobilität. Die Bevölkerung in Afrika werde sich bis 2050 auf 2,5 Mrd. Menschen verdoppeln. Es müssten jährlich zirka 21 Millionen Jobs geschaffen werden, um all diese Menschen in Lohn und Brot zu bringen.

Die Sahelzone breitet sich nach Süden aus. Wirbelstürme hinterlassen an der Ostküste Afrikas immense Verwüstungen. Afrika sei Hauptbetroffener des Klimawandels. Würde Afrika so wachsen wie Asien und Europa gewachsen sind, wäre das 1,5-Grad-Ziel und auch das 2-Grad-Ziel der Erderwärmung nicht zu schaffen. Afrika müsse daher ein grüner Kontinent werden mit einem flexiblen Mix aus Erneuerbaren Energien, Biomasse, Wasserkraftwerken bis hin zu dezentralen Solaranlagen.

Im Hinblick auf die Globalisierung seien alle Entwicklungssprünge in afrikanischen Ländern sofort und unmittelbar der vielfältigen Konkurrenz aus anderen Erdteilen und auf allen Ebenen ausgesetzt. Deshalb sei eine gerechte, globale und faire Handelspolitik gefordert.

Stichwort Digitalisierung: Unter den 4 Mrd. Internetznutzern weltweit weise Afrika die stärkste Zuwachsrate (+ 20 %) zum Vorjahr auf. Das fördere Entwicklungssprünge: mobile Zahlungssysteme, Drohnen für Medikamentenlieferungen, Wetterinformationen für eine produktivere Landwirtschaft. Junge Gründer können ihre Ideen verwirklichen, Arbeitsplätze und Wohlstand schaffen. Der Kontinent sei andererseits gekennzeichnet von den am schnellsten wachsenden Mega-Cities weltweit, aber auch von Flucht und Migration.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit erfolgt derzeit mit 36 afrikanischen Ländern. Über 2 Mrd. Euro werden pro Jahr in der bilateralen Zusammenarbeit zugesagt.

Um die gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen zu meistern, brauchen wir neue Ansätze in der Zusammenarbeit mit Afrika. Weg von klassischer Entwicklungshilfe, hin zu wirtschaftlicher Zusammenarbeit

, so Barthle. Diesen Wandel habe das BMZ mit dem Marshallplan für Afrika und den darin angelegten Reformpartnerschaften begonnen.

Norbert Lins stellte in seinem Vortrag und auch während der ausgiebigen Diskussion im Anschluss an vielen Beispielen klar, dass man bei der europäischen Handels- und Agrarpolitik längst aus alten Fehlern gelernt habe. So zahle die EU seit 2014 keine Exporterstattungen mehr. Die Exporte seien anteilig an den jeweiligen Märkten so gering, dass sie unerheblich für die dortigen Märkte seien. Und letztlich förderten unsere Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (WPA) die wirtschaftliche Entwicklung, da sie den Marktzugang zu den europäischen Märkten erst möglich machten. Anders als China seien sie immer getragen von dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“. „Die wollen nur Rohstoffe, wir wollen Entwicklung!“ so Lins.

Ansprechpartner

Simon Weißenbach

Internetbeauftragter des Bezirksverbandes Württemberg-Hohenzollern
Stellvertretender Kreisvorsitzender CDA Ravensburg
Vorstandsmitglied CDU Ravensburg
Landesvorstandsmitglied CDA/Verdie AG Baden-Württemberg

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