Am ersten Oktober kam der CDA-Bundesvorstand zum ersten Mal seit über einem Jahr wieder in Präsens zusammen. Neben der spürbaren Freude des Wiedersehens standen bei der ersten Sitzung nach der Bundestagswahl viele wichtige Themen auf der Agenda:

Analyse der Bundestagswahl

Zum Einstieg liefert Frau Dr. Viola Neu von der Konrad-Adenauer-Stiftung eine empirische Analyse der Bundestagswahl. Dabei zeichnet insbesondere die Wählerwanderung ein klares Bild: Im Vergleich zur Bundestagwahl 2017 verlor die Union insgesamt 3,3 Millionen Stimmen, davon knapp 2,5 Millionen an SPD und Grüne. Dem Gegenüber standen geringe Zugewinne von rund 80.000 Wählern von der AfD.

Es schließt sich eine rege Debatte zu den Fehlern und Versäumnissen der Wahl und im Wahlkampf an. Die Kernpunkte finden sich in einem Beschlussentwurf des geschäftsführenden Bundesvorstands wieder. Mit wenigen Änderungswünschen wird der Beschluss "Aus Niederlagen lernen" einstimmig verabschiedet. Die zentrale Botschaft: Rufe nach einer konservativeren oder wirtschaftsliberaleren Ausrichtung der Union führen in eine Sackgasse. Die Forderung: Das sozial- und umweltpolitische Profil der Partei wieder zu schärfen. Nur mit einer inhaltlichen und personellen Verortung in der bürgerlichen Mitte könne es die Union wieder schaffen, Wahlen zu gewinnen. Das gemeinsam mit der CSA abgestimmte Papier findet ein breites Medienecho. Von der DPA als Agenturmeldung übernommen, berichten u. A. WELT, FAZ, Bild und Spiegel über den Beschluss.

Laumann: Brauchen eine klarer Ausrichtung an der Lebenswirklichkeit der kleinen Leute
Gegenüber der WELT bringt der Bundesvorsitzende Karl-Josef Laumann das CDA-Kernanliegen auf den Punkt. Die CDU müsse wieder Anwalt der kleinen Leute werden:

Immer mehr Menschen halten uns für eine reine Wirtschaftspartei. Und dieser Eindruck ist brandgefährlich. Ich wünsche mir von meiner Partei eine klare Ausrichtung an der Lebenswirklichkeit der kleinen Leute.

Unternehmen in Verantwortungseigentum
Armin Steuernagel, den Vorsitzenden der Stiftung Verantwortungseigentum, stellt zusammen mit zwei weiteren Vorstandsmitgliedern die Idee einer neuen Unternehmensform vor. Sie fordern eine neue Rechtsform - das Verantwortungseigentum - in dem die Eigentümer des Unternehmens zwar Stimm- und Teilhaberechte haben, jedoch nicht am Gewinn teilhaben. Es schließt sich eine rege Debatte mit Für und Wider an. Der Bundesvorsitzende betont, dass diese Idee aus Perspektive der Christlichen Soziallehre sehr interessant sei und sich die CDA damit weiter beschäftigen müsse.

Gute Wissenschaft braucht gute Arbeitsbedingungen
Der JCDA-Bundesvorsitzende Gernot Nahrung stellt das im Anschluss an die letzte Sitzung des Bundesvorstands überarbeitet Beschlusspapier "Gute Wissenschaft braucht gute Arbeitsbedingungen" vor. Das Papier wird mit wenigen Änderungen einstimmig und ohne Gegenstimmen beschlossen. Gefordert wird eine Überarbeitung des Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) durch die Anpassung der Vertragslaufzeiten an die statistisch durchschnittliche Dauer der Promotionsphase und nach dieser Phase Daueraufgaben an Hochschulen auch mit Dauerstellen zu besetzen.

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