Die CDA Mannheim lud unter dem provokanten Titel "Warum die CDU nie nur eine konservative Partei war" Mitglieder und interessierte Gäste zu einer Diskussion mit Dennis Radtke.

Als Gastredner hatte die CDA den nordrhein-westfälischen Europaabgeordneten Dennis Radtke eingeladen. Dieser hatte einen Aufsatz mit gleicher Überschrift verfasst und war somit ein Stück weit Ideengeber für die Veranstaltung.

Die Erwartungen der anwesenden Gäste wurden nicht enttäuscht. In seinen Wortbeiträgen klar und deutlich, kritisierte er das oft falsch gemalte Bild vom Konservatismus. „Konservativ sein heißt doch nicht, dass man sich als Partei nicht weiterentwickeln darf. Man muss sich gesellschaftlichen Veränderungen stellen. Dabei kommt es darauf an, dass man diese Veränderungen an gemeinsamen Werten festmacht.“

In diesen Tagen muss oft Helmut Kohl als Ikone der Konservativen unter dem Motto „Früher war alles besser“ herhalten. Dass es aber gerade Helmut Kohl war, der die CDU modernisiert und viele Querdenker wie Biedenkopf, Geißler und Süßmuth in die Führung der Partei geholt hat, wird oft vergessen. „Helmut Kohl hat sich in den 50er Jahren mitten in der Pfalz für Empfängnisverhütung stark gemacht. Das war keine Selbstverständlichkeit, sondern revolutionär.“

Sein Fazit am Ende des Vortrages: Es komme nicht darauf an, was man verändere, sondern ob es verändert werden muss und wie man dann verändert.Im Rahmen der Diskussion gab es darum auch viele engagierte Wortbeiträge zum Profil der CDU, aber auch zu allgemeinen Fragen der Politik. Zum Beispiel über den Umgang mit der AfD, die Auswirkungen des Brexit und Fragen der Lohn- und Arbeitsgerechtigkeit.

Letzteres waren für den ehemaligen Gewerkschaftssekretär Radtke natürlich Fragen, bei denen man merkte, dass diese ihm unter die Haut gehen. So geißelte er insbesondere die Scheinselbstständigkeiten bei Paketauslieferern:

Die einzige unternehmerische Entscheidung, die diese Leute treffen können ist die, bei wem sie zuerst klingeln!

und das mangelnde Verantwortungsbewusstsein der Führungsetagen großer Konzerne. Es glaube doch keiner, dass die Dividenden sinken, wenn man den älteren Mitarbeitern, die nicht mehr können, einen Pförtner-Posten gibt. Das soziale Gewissen eines Unternehmens erkenne man am Umgang mit den Mitarbeitern.

„Gebt auch den Schulabgängern mit Haupt- oder Werkrealschulabschluss eine Chance.“ Die Fixierung auf höhere Schulabschlüsse oder akademische Bildung darf nicht den Blick auf die Menschen versperren, die es aus vielen Gründen nicht schaffen. „Sonst hängen wir die Leute ab und dieses Gefühl treibt die Menschen zur AfD. Das hat übrigens nichts mit Sozialdemokratisierung zu tun, sondern ist Teil der christlichen Soziallehre.“

Am Ende mahnte er, mehr über die eigenen Erfolge zu sprechen. Es gäbe keinen Grund sich zu verstecken. Sicher mache man nicht immer alles richtig. Aber ebenso wenig alles falsch. Mit großem Beifall wurde Dennis Radtke dann zu später Stunde verabschiedet. Die klaren Worte haben Eindruck hinterlassen.

Ansprechpartner

CHoetting

Christian Hötting

Kreisvorsitzender CDA Mannheim

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