In seinem locker gehaltenen und gleichwohl theoretisch-philosophisch anspruchsvollen Vortrag stellte Professor Zimmer die katholisch-christliche Soziallehre und den stark protestantisch geprägten Ordo-Liberalismus (Freiburger Schule) vor allem in ihrer Bedeutung für die programmatische und politisch-praktische Entwicklung der CDU gegenüber.

Hierbei sah er sowohl Abgrenzungen und Gegensätze als auch Überschneidungen und Übereinstimmungen. Auf diesen gemeinsamen Grundlagen wurde aus seiner Sicht das Erfolgsmodell der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg ermöglicht. Elemente der christlichen Soziallehre mit ihren zentralen Werten der Personalität, der Subsidiarität und der Gemeinwohlorientierung finden sich durchgängig in der Ausgestaltung des Sozialstaates der Bundesrepublik, aber auch schon in Ansätzen in der Weimarer Republik. Daneben und in einem gewissen Spannungsverhältnis hierzu stehen die stärker vom Ordo-Liberalismus vertretenen Werte der Freiheit und es Wettbewerbs. Beide Orientierungen müsse man in der Volkspartei CDU zusammenbinden und zu einem Ausgleich bringen. Die immer wieder genannte dritte Strömung in der CDU, den sog. Konservatismus, sieht Zimmer hier nicht als gleichrangig an; als eine im Wesentlichen „affirmative“ Abwehrhaltung verfüge er über kein geschlossenes werteorientiertes gesellschaftliches Gesamtkonzept.

Für die anstehende weitere Diskussion des neuen CDU-Grundsatzprogramms ergeben sich zahlreiche Ansatzpunkte und Politikfelder, in denen Positionen der christlichen Soziallehre eingebracht werden können. Diese standen dann auch vermehrt im Mittelpunkt der anschließenden Diskussion, die vom CDA-Vorsitzenden Michael Bußmann moderiert wurde. Hier ging es u.a. um ethische Fragen der Folgen von Technik und Fortschritt (Gentechnik), den Sinn eines (grenzenlosen?) Wirtschaftswachstums, insbesondere in seiner internationalen und globalen Dimension. Ein weiterer Schwerpunkt in der Diskussion war die Forderung nach gerechterer Einkommens- und Vermögensverteilung. Auch von einigen Diskussionsteilnehmern wurde darauf hingewiesen, dass die Eigentums- und Vermögensbildung mit dem Ziel der Überwindung des Grabens von Kapital und Arbeit ursprünglich der christlichen Soziallehre entstammt, aber leider bisher von der CDU nur unzureichend umgesetzt wurde.

Als Fazit blieb somit, dass sie christliche Soziallehre nicht nur Impulse für die bisherige deutsche Politik gegeben hat, sondern auch in Zukunft ihre Bedeutung für die programmatische Diskussion und die reale politische Praxis haben wird. Dies sei im Übrigen nicht auf Deutschland beschränkt, sondern müsse auch international und global gesehen werden – so hieß es in der Diskussion von Teilnehmern.

Zum Abschluss der Veranstaltung wurde dem Referenten, passend zum Thema, als Erinnerung an seinen Münsterbesuch ein „Domstein“ der Domfreunde überreicht. In seinem Dank versprach Professor Zimmer wieder zu kommen.

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Michael Bußmann

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