Die Corona-Pandemie trifft uns alle auf die ein oder andere Weise. Allerdings sind bestimmte Gruppen stärker betroffen als andere. Ein Aufwiegen der Betroffenheit ist nicht angebracht, vielmehr geht es uns darum, die Betroffenheit der einzelnen Gruppen im Sinne einer solidarischen Politik auszugleichen.

Jugendliche und junge Erwachsene sind eine besonders betroffene Gruppe. Zwar mag das Virus für viele (nicht für alle) ein geringeres gesundheitliches Risiko darstellen, es hat aber starke Auswirkungen auf das aktuelle Sozialleben und auf die Zukunftschancen der jungen Generation.
Man kann zwar lapidar die Klage junger Menschen nach fehlenden Möglichkeiten des Feierns und sozialer Kontakte abtun und den Jugendlichen pauschal einen laxen Umgang mit dem Virus vorwerfen – das stimmt aber für die meisten absolut nicht, zeugt von einem herablassenden Blick und wird den Sorgen junger Menschen nicht gerecht.
Die Mehrzahl der Jugendlichen nimmt das Virus ernst und hält die Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen, Mund-Nasen-Schutz, etc. ein. Die Solidarität der Jugend ist hoch und sollte auch als solche anerkannt werden. Anerkennung kann natürlich nicht bedeuten, dass man dann bei Corona-Partys ein Auge zudrückt, aber doch, dass man den Wunsch nach Gemeinschaft und Ausgelassenheit ernst nimmt und jetzt schon überlegt, unter welchen Bedingungen z.B. Musikveranstaltungen stattfinden können, sobald sich das Infektionsgeschehen wieder abschwächt.
Anerkennung und Solidarität mit der Jugend heißt aber auch, die potentiellen Auswirkungen auf das weitere Leben zu antizipieren und die politischen Weichen jetzt schon so zu stellen, dass den Jugendlichen und jungen Erwachsenen keine langfristigen Nachteile entstehen.

Junge Menschen werden von den ökonomischen Folgen der Corona-Pandemie besonders getroffen.

Die Jugendarbeitslosigkeit ist von 209.000 Personen im Januar 2020 (Quote 4,2 %) mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie auf fast 300.000 Personen gestiegen (Quote 5,9%) und hat sich auch über den Sommer auf rund 275.000 arbeitslose Jugendliche unter 25 Jahren eingependelt. Im Oktober lag die Jugendarbeitslosenquote bei 5,5%. Dabei gehen wir von einer höheren Dunkelziffer aus, denn es dürfte viele junge Menschen geben, die sich zum Beispiel nach dem Ende ihres Studiums im Sommer, gar nicht erst arbeitssuchend melden.

Die Jobchancen für Jugendliche unter 25 Jahren sind im Vergleich zu anderen Altersgruppen insgesamt schlechter, wie Zahlen des IAB zeigen. Die Abgangsquote in den 1. Arbeitsmarkt für unter 25-Jährige fällt mit einem Rückgang um 22 Prozent im Vorjahresvergleich, um ganze 3 Prozentpunkte höher aus, als im Verhältnis zur Gesamtzahl der Arbeitssuchenden. Das hat sowohl damit zu tun, dass insgesamt weniger Unternehmen neue Arbeitskräfte suchen und die Zahl der gemeldeten Stellen ab März deutlich abgenommen hat. Aber auch damit, dass junge Menschen ohne oder mit nur wenig Berufserfahrung auf dem Arbeitsmarkt den Kürzeren ziehen. Das trifft vor allem junge Menschen hart, die am Anfang ihres Berufs- und Lebensweges stehen.

Die Frage ist aber auch, ob sich unser Land ein oder zwei Jahre oder länger Stillstand beim Zugang in den Arbeitsmarkt leisten kann.

Dabei hat eine frühe Arbeitslosigkeit langanhaltende negative Folgen für junge Menschen, wie verschiedene Studien zeigen. Diese sogenannten „Scaring-Effekte“ – also Vernarbungseffekte – die eine frühe Arbeitslosigkeit mit sich bringen, können teilweise erst Jahrzehnte später hinsichtlich des Einkommens und der beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten, aber auch hinsichtlich der Gesundheit und der Lebenserwartung kompensiert werden.

Bereits im April dieses Jahres hat die Junge CDA deswegen die Einführung eines Berufsstarterbonus gefordert. Dieser Vorschlag wurde auch in einem gemeinsamen Schreiben mit den Vorsitzenden der CDA und der JU an die Bundesregierung bekräftigt. Die Entwicklung der letzten Monate hat gezeigt, dass die wirtschaftliche Erholung bis zum Eintritt der zweiten Welle an den Jugendlichen und jungen Erwachsenen überwiegend vorbeigegangen ist. Die Arbeitsmarktchancen junger Menschen haben sich nicht verbessert.

Nach der Finanzkrise 2008/2009 hatte die junge Generation die Chance, sich am wirtschaftlichen Aufschwung zu beteiligen. Die seither über ein Jahrzehnt anhaltend positive wirtschaftliche Entwicklung hat zu einer zügigen Aufnahme junger und gut ausgebildeter Menschen in den Arbeitsmarkt geführt. Umgekehrt ist dieser schnelle Zugang junger Menschen in Arbeit aber ohne Frage auch eine Ursache für den anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung gewesen.
Diesen Erfolg wollen wir auch nach der Corona-Krise wiederholen, müssen aber bereits jetzt die Weichen dafür stellen. Das heißt für uns als Junge CDA konkret, Jugendarbeitslosigkeit schon jetzt zu verhindern, um damit den Jugendlichen einen optimalen Start ins Berufsleben zu ermöglichen.

Der „Lockdown“-Light trifft erneut viele Branchen, in denen gerade auch junge Menschen arbeiten, dennoch können andere Teile des Wirtschaftslebens stattfinden. Die verschiedenen Impfstoffe machen Hoffnung, dass spätestens im Jahr 2022 das Corona-Virus bezwungen sein könnte. Doch darauf können Jugendliche und junge Menschen nicht warten. Sie brauchen jetzt eine Zukunftsperspektive, d. h. den Einstieg in Arbeit und Ausbildung – und nicht in die Sozialsysteme. Die Gefahr, dass sich bei länger anhaltender Krise und fehlenden Stellenangeboten, junge Menschen vom Arbeitsmarkt abwenden, ist real. Nach dem IAB lässt sich bereits jetzt ein Rückzug vom Arbeitsmarkt feststellen.

Auch auf dem Ausbildungsmarkt gab es dieses Jahr einen Rückgang sowohl bei der Zahl der angebotenen Stellen (-42.000), als auch der Bewerberinnen und Bewerber (-39.000). Gleichzeitig ist die Zahl der unbesetzten Stellen (+7.000) und der Jugendlichen, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, gestiegen (+4.000).

Diese „doppelte Stauchung“ hat ihren Ursprung vor allem im ersten Lockdown und der dadurch entstehenden Verzögerung bei der Berufsorientierung. Diese Verzögerungseffekte konnten bis zum Start des Ausbildungsjahrs nicht ausgeglichen werden und wurde durch den aktuellen „Lockdown-Light“ erneut ausgebremst.

Zwar existieren mittlerweile zum Teil gute digitale Programme zur Berufsorientierung, allerdings erreicht man damit vorwiegend diejenigen, die ohnehin selbstständiges Interesse am Kennenlernen verschiedener Berufsfelder haben. Viele andere, die beispielsweise über Praktika oder der Ansprache in den Schulen auf eine mögliche Ausbildung gebracht werden, konnten in diesem Jahr nicht oder nur mangelhaft erreicht werden.

Wir fordern daher eine Ausweitung der Berufsqualifizierungsprogramme, eine Förderung digitaler Berufsorientierung und von Berufsorientierungspraktika.

Für das Jahr 2021 brauchen wir einen Masterplan „Berufsorientierung“, der verlässliche Möglichkeiten der Berufsorientierung und -qualifizierung ermöglicht. Unternehmen sollen unter Einhaltung der Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen weiter Praktika anbieten, denn für viele Junge Menschen erschließt sich das eigene Talent und Interesse in der praktischen Tätigkeit.

Die Qualifizierungsprogramme für Jugendliche der Arbeitsagenturen müssen weiterhin verlässlich finanziert werden. Es ist ein gutes Signal, dass die BA bereits erkennen lässt, dass die Verhinderung von Jugendarbeitslosigkeit eine der Prioritäten ihrer Arbeit ist.

Auch die Ausbildungsprämie, ebenfalls von der Jungen CDA im April gefordert und als Teil des Konjunkturpaketes umgesetzt, hat bislang nur wenig ausrichten können. Viele Unternehmen klagen über das komplizierte Antragsverfahren und den engbegrenzten Kreis der Betriebe, die die Prämie erhalten können.

Als Junge CDA haben auch wir eine Ausbildungsprämie gefordert, die mögliche Mitnahmeeffekte wirksam einschränkt. Allerdings zeigt sich jetzt, dass damit die Wirksamkeit der Ausbildungsprämie insgesamt ausgebremst wird und damit niemanden geholfen wird. Daher fordern wir die Ausweitung der Ausbildungsprämie auf alle Unternehmen, die Ausbildungsplätze anbieten, unabhängig der Größe oder der Betroffenheit durch die Corona-Pandemie. Gleichzeitig muss das Programm noch bekannter werden.

Ein weltweit vorbildliches Ausbildungssystem und innovative Studiengänge allein können keine Wirkung zeigen, wenn junge Absolventen nicht in der Arbeitswelt ankommen. Es kann auch nicht richtig sein, dem historisch schnellsten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel mit statischen Belegschaften zu begegnen. Wenn wir gerade jetzt junge Menschen vom Arbeitsmarkt und diesen gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen ausschließen, drohen wir bei Innovationen, Digitalisierung und neuen Arbeitsformen den Anschluss zu verlieren. Unverzichtbare Fachkräfte würden uns verloren gehen. Ohne eine herausragende wirtschaftliche Dynamik werden sich die Ausgaben für milliardenschwere Hilfsprogramme auch nicht wieder erwirtschaften lassen.

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