Die Europawahl 2019 ist Geschichte. Das Ergebnis und die Folgen daraus werden in Deutschland immer noch intensiv diskutiert. Die SO! wirft einen Blick auf die wichtigsten Zahlen.

Das Ergebnis der Europawahl war ein harter Schlag für die Union. Mit 28,9 Prozent bleiben CDU/CSU zwar weiterhin stärkste Kraft, erzielen jedoch das historisch schlechteste Wahlergebnis zu einer Europawahl. Eindeutiger Wahlgewinner war die Grüne Partei. Sie konnte mit 20,5 Prozent erstmals bei einer bundesweiten Wahl die SPD hinter sich lassen und zweitstärkste Kraft werden.

Schaut man sich das Wählerverhalten konkret an, wird eines deutlich: Die Verluste der Union sind vor allem auf das schlechte Ergebnis bei Jüngeren und Frauen zurückzuführen. Während bei der Europawahl, genauso wie bei der letzten Bundestagswahl, fast jeder zweite über 60-Jährige der Union seine Stimme gab, waren es in der Gruppe bis 45 Jahre nur gut 18 Prozent. Bei der letzten Bundestagswahl waren es noch gut 27 Prozent gewesen. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Wählerinnen: 7 Prozent der Frauen kehrten der Partei seit der Bundestagswahl den Rücken. Bei den Männern blieb das Ergebnis stabil. Beide Entwicklungen sind spiegelbildlich zum Ergebnis der Grünen, die bei jungen und weiblichen Wählern ihre meisten Stimmen holen konnten.

Die Grünen profitierten eindeutig von der öffentlichen Stimmung bezüglich der Themen Umwelt- und Klimaschutz – eine der grünen Kernkompetenzen. Es hat zum zweiten Mal in Folge an Wichtigkeit gewonnen und liegt nun vor den Themen Soziale Sicherheit und Friedenssicherung. 2019 bewegte dieses Thema gerade junge Menschen auffällig stark. Ob dies eine durch die mediale Aufmerksamkeit für die „Fridays-For-Future“-Bewegung und das „Rezo-YouTube-Video“ hervorgerufene Momentaufnahme ist, oder ein langfristiger Trend, bleibt abzuwarten.

Als zweitstärkste Kraft zeigt die grüne Partei Ambitionen, neue Volkspartei zu werden. Nicht jede Wählergruppe ist jedoch gleichermaßen grün-affin. Bei Angestellten und Selbstständigen waren die Stimmengewinne enorm: mit 26 Prozent werden die Grünen knapp vor der CDU stärkste Kraft bei den Angestellten. Bei den Selbstständigen liegen sie mit 25 Prozent nur ein Prozent hinter der CDU auf Platz zwei. Anders jedoch bei Arbeitern und Rentnern. In beiden Wählergruppen wird die CDU teils mit großem Abstand stärkste Kraft. Es ist seit jeher Aufgabe der CDA, industrielle und gewerbliche Arbeiter an die CDU zu binden. Die Auswertung der Europawahlergebnisse zeigt, dass dies immer noch gut gelingt.

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