Genossenschaften: Das sind Menschen, die anpacken und ihre Lebensumstände gemein sam verbessern. Sie lösen ihre Probleme solidarisch. Im Zentrum stehen ihre geteilten Werte und nicht die mögliche Rendite. Genossenschaften: Das ist eine zutiefst christlich-soziale Unternehmensform, die aus unserer Sozialen Marktwirtschaft kaum wegzudenken ist. Man findet sie vom Finanzsektor über die Landwirtschaft bis hin zum Wohnungsbau in vielen relevanten Wirtschaftsfeldern. Obwohl sie hoch innovativ und krisenerprobt sind, haftet der genossenschaftlichen Idee oft ein verstaubtes Bild an. Die SO hat genauer hingeschaut: Wie steht es um die Zukunft der Genossenschaften? Entdeckt hat sie viel Energie in bestehenden Aktivitäten und neue Felder genossenschaftlichen Handelns.

Das Karl-Schrader-Haus ist ein prächtiger Bau im Herzen Berlins. Die Fassade ist mit Ornamenten verziert, zwei Türme thronen auf der Spitze des 1906 erbauten Eckhauses. Gebaut wurde es von der Berliner Baugenossenschaft, der ältesten Berliner Wohnungsgenossenschaft. Das Haus ist auch heute bewohnt, und gleichzeitig ein Denkmal für die 130-jährige Geschichte der Baugenossenschaftsbewegung in Berlin. Wohnungsnot und dramatisch schlechte Wohnbedingungen für die einfachen Leute prägten in der Kaiserzeit die Hauptstadt. Dieser Not begegnete die Bewegung mit Neubauten, die allen Genossen gehörten und die geschützt vor Spekulation eine sichere Wohnung boten. Sozial, gemeinschaftlich, demokratisch, nach diesen Prinzipien gingen die Wohnungsgenossenschaften vor. Im stark wachsenden Berlin der 1920er Jahre gab es dann eine weitere Gründungswelle: allein zwischen 1924 und 1930 entstanden 135.000 öffentlich geförderte, genossenschaftliche Wohnungen.

Der Genosse wohnt besser
Monika Neugebauer vom Zusammenschluss der Wohnungsbaugenossenschaften Berlin nennt es den Erfolg des „Dritten Wegs“ zwischen dem Wohnen zur Miete und im Eigentum: „Die Genossenschaftsmitglieder sind zugleich Nutzer und Miteigentümer am Unternehmen.“ Damals wie heute erwirbt man bei Eintritt in eine Wohnungsbaugenossenschaft Genossenschaftsanteile und wird dadurch Miteigentümer. Das bedeutet Sicherheit: Lebenslanges Wohnrecht, und wenn eine kleinere oder größere Wohnung gesucht wird, kann vor anderen auf die freien Angebote innerhalb der Genossenschaft zugegriffen werden. Gerade bei den überhitzten Wohnungsmärkten ein wertvoller Vorteil. Für Neugebauer ist klar, Genossenschaften sind auch eine Antwort auf die aktuellen Probleme auf dem Wohnungsmarkt in Berlin und anderswo. Vieles sei anders als vor 100 Jahren, sagt sie, „trotzdem funktioniert unsere Unternehmensform nach wie vor, weil wir sachorientiert sind: gute, bezahlbare Wohnungen für unsere Mitglieder, nicht größtmöglicher Gewinn. Wir investieren erwirtschaftete Überschüsse in unsere Häuser und bauen Eigenkapital für Neubauten auf. Unsere Grundstücke und Häuser sind langfristig der Spekulation entzogen, deshalb können unsere Mieten im Vergleich zum Markt günstiger sein.“

Deshalb ist auch Ulf Heitmann Genosse geworden. Er ist Gründer der 2000 entstandenen Genossenschaft „Bremer Höhe“ in Berlin. Er und seine Mitstreiter schlossen sich zusammen, um den Verkauf eines städtischen Mietshauses an einen Investor zu verhindern. Damit gehören sie zu der wachsenden Zahl neu gegründeter Wohnungsbaugenossenschaften, die konkret auf den hohen Bedarf an bezahlbaren Wohnungen, Ateliers und Kleingewerbeflächen reagieren. 33 davon sind in den letzten Jahren in Berlin entstanden. Aber das Wachstum der Genossenschaften ist aktuell fast zum Erliegen gekommen. In der Hauptstadt liegt das vor allem an der Politik.

Gut gemein ist noch nicht gut gemacht
Die Berliner Bürger leiden seit über zehn Jahren unter dramatisch steigenden Neuvermietungspreisen und immer mehr Spekulanten im Markt. 2020 hat der Senat versucht die Notbremse zu ziehen und einen Mietendeckel beschlossen. Das Gesetz definiert für fast jede Wohnung die maximale Miete. Bestandsmieten, die darüber liegen, werden per Gesetz abgesenkt. Und für alle gilt: für fünf Jahre darf die Miete nicht angehoben werden. Neubauten sind ausgenommen. Vermutlich hatte der Senat damit gerechnet, dass die Berliner Genossenschaften mit ihren Prinzipien sozial, gemeinschaftlich, demokratisch den Mietendeckel unterstützen würden. Das Gegenteil war der Fall. Das an Eindeutigkeit nicht missverständliche Votum des Zusammenschlusses der Berliner Wohnungsbaugenossenschaften: „Der Mietendeckel ist schlecht für uns Genossenschaften, und er ist schlecht für Berlin.“ Diese Position hat die rot-rot-grüne Landesregierung aber von Anfang an ignoriert.

Denn anders als behauptet, untergräbt diese Politik die langfristige Strategie der Genossenschaften, die bereits mehr als 130 Jahre erprobt ist. „Die Mietsteigerungen in den Genossenschaften fallen immer moderat aus, meist im niedrigen Cent-Bereich. Dabei geht es nicht um Profit, sondern um gemeinsame Investitionen wie Modernisierung und auch Neubau“, betont Monika Neugebauer. „Bei den Berliner Genossenschaften liegt die durchschnittliche Miete bei 5,66 Euro“, rechnet sie vor. Weit unter dem Mietspiegel und erst recht unten den Neuvermietungspreisen. „Der Senat gefährdet jetzt die Existenz junger Genossenschaften, weil diese mit den Mietsteigerungen kalkuliert haben. Jetzt gehen ihre Kalkulationen nicht auf und ausgerechnet die gemeinwohlorientierten Genossenschaften sind die Dummen“, ärgert sich Ulf Heitmann. Manches neue Projekt ist dadurch ernsthaft in seiner Existenz gefährdet.

Gemeinwohlorientiertes Bauen muss wieder Priorität bekommen.

Ein weiteres Problem für die Genossenschaften ist der Mangel an Baugrundstücken. Genossenschaften kommen kaum an neue Flächen, weil viele Städte immer noch nach dem Höchstpreisprinzip verkaufen. „Da hilft nur noch Zynismus“, sagt Heitmann. „Berlin beteiligt sich an den Grundstücksspekulationen. Für die aufgerufenen Preise können wir keine gemeinwohlorientierten Wohnungen bauen und vermieten.“ „Was wir brauchen, ist kein Mietendeckel, sondern bezahlbare Bauflächen, dann können wir unserem Auftrag und Ziel nachkommen und mehr erschwinglichen, genossenschaftlichen Wohnraum für die Berliner zur Verfügung zu stellen“, betont Neugebauer. Der stellvertretende CDA-Vorsitzende Matthias Zimmer stimmt dem zu:

Wohnungsbaugenossenschaften sind leider keine Selbstläufer.

Dafür braucht es politische Unterstützung, insbesondere bei der Vergabe von Bauland. Wie es nicht laufen sollte, zeigt sich in Berlin. Hier kommen letztlich doch die Großinvestoren zum Zug. Deshalb muss es gesetzliche Ermessensspielräume geben, bei der Vergabe des Baulands das Gemeinwohl der Rendite vorzuziehen.“

Mit Genossenschaften in die Energiewende
Der Wohnungsbau ist bei Weitem nicht das einzige dynamische Feld für die Genossenschaften. Einen neuen wichtigen Bereich mit starkem, genossenschaftlichem Wachstum hat die Energiewende hervorgebracht. In Energiegenossenschaften tun sich Menschen zusammen, um ihr Zuhause, ihr Dorf oder die ganze Region auf eine CO2-neutrale Versorgung mit günstiger Energie umzustellen. Allein in den vergangenen zehn Jahren wurden 800 Energiegenossenschaften gegründet. Der Deutsche Genossenschaftsverband rechnet vor, dass Genossenschaften bisher rund 2,7 Milliarden Euro in erneuerbare Energien investiert haben.

Die Eigenversorgung mit Biokraftwerk zur Stromerzeugung samt Wärmeauskopplung ist mittlerweile gängige Praxis. Das Bioenergiedorf Jünde in der Nähe von Göttingen ging diesen Weg begleitet von Wissenschaftlern der Göttinger Universität als erstes. Seit 2005 empfangen dort 70 Prozent aller Haushalte nicht nur Strom, sondern auch Nahwärme aus dem Biogas-Kraftwerk. Für Leistungsspitzen im Winter steht noch ein Hackschnitzelbrennofen bereit.

Immer mehr Genossenschaften folgen diesem Beispiel und finanzieren und nutzen nicht nur Biogasanlagen zusammen, sondern auch Windräder und Solarparks. Viele der Initiativen sind auf dem Land entstanden. Die Bürger nutzen die Möglichkeit, sich mit ihrem Engagement direkt an der Energiewende beteiligen zu können – und fördern dabei ganz nebenbei auch noch die Wertschöpfung ihrer Region.

Dorfretter Genossenschaft
Doch auf dem Land wachsen nicht nur Energiegenossenschaften. Denn auch aufdrängende Probleme der Nahversorgung bieten Genossenschaften manchmal einen Ausweg. Kein Lebensmittelgeschäft, kein Arzt und kein Metzger: so sieht der Alltag in vielen Dörfern außerhalb der Einzugsgebiete der Ballungszentren mittlerweile aus. Junge Menschen wandern in die Stadt ab. Trotz günstiger Mieten und Immobilienpreise zieht es nur wenige Familien zurück aufs Land. Die Infrastruktur wird brüchig, die Wege zum Einkaufen immer weiter, die Attraktivität der Wohnlage geht weiter zurück, ein Teufelskreis. Auch Dank der Genossenschaften ist mancherorts jedoch ein Wandel in Sicht. Immer häufiger ergreifen Bürger die Initiative, wieder mehr Leben ins dörfliche Geschehen zu bringen. Im Zentrum stehen dabei genossenschaftliche Dorfläden.

So auch in der Gemeinde Deersheim in Sachen-Anhalt. Im Jahr 2012 schloss hier die letzte Einkaufsmöglichkeit. Zahlreiche Dorfbewohner gründeten deshalb aus einer Bürgerinitiative heraus einen genossenschaftlichen Dorfladen. Das Konzept hat funktioniert: Die Anwohner können nicht nur wieder im Dorf Lebensmittel kaufen, sie haben zugleich einen sozialen Treffpunkt geschaffen. Der Weg zu einem florierenden Dorfladen ist aber mitunter steinig. Es müssen sich genügend Menschen einbringen und es muss schnell genügend Kaufkraft zusammenkommen. Dadurch ist gerade der Start oft nicht leicht.

Genossenschaften – ein Zukunftsmodell?
Die Rechtsform „eG“ findet sich aber auch in vielen weiteren Nischen, die nicht auf den ersten Blick eine Genossenschaft vermuten lassen. So gibt es in Berlin einen Zusammenschluss von Stadtführern, die sich genossenschaftlich organisiert haben. Die einen kennen bestimmte Stadtviertel sehr gut, andere bestimmte Museen, wieder andere sind auf Frauen- oder Künstlerthemen spezialisiert. Kunden werden in der Gemeinschaft aufgeteilt. Ein ähnliches Prinzip verfolgt eine Künstlergenossenschaft in der Hauptstadt: Um der Konkurrenz um Ateliers zu entkommen, gründete eine Gruppe von Künstlern eine Genossenschaft und baute Ateliers für den Eigenbedarf. Alle Mitglieder profitieren und müssen keine Verdrängung fürchten. In München haben sich Reinigungskräfte zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen, die unterstützt von der Stadt Frauen aus der Langzeitarbeitslosigkeit befreien und zugleich zu Unternehmerinnen macht.

Die Beispiele zeigen, wie flexibel die Genossenschaft als Rechtsform ist. Professorin Theresia Theurl, die das Institut für Genossenschaftswesen an der Universität Münster leitet, überrascht das nicht. Für sie haben Genossenschaften klare Vorteile gegenüber anderen Rechtsformen. „Sie sind flexibel in der konkreten Ausgestaltung, Eigentümer haben ein demokratisches Mitwirkungsrecht und Mitglieder werden gefördert, statt Gewinne maximiert.“ Zudem braucht es kein Mindestkapital und auch eine Haftungsbegrenzung ist möglich. Seit der Novellierung des Genossenschaftsrechts im Jahr 2005 ist es deutlich attraktiver geworden eine Genossenschaft zu gründen. Als entscheidende Verbesserung wurde die Mindestmitgliederzahl von sieben auf drei gesenkt. Zusätzlich wurden administrative Erleichterungen eingeführt, die die Gründung einer eingetragenen Genossenschaft einfacher und kostengünstiger machen. So wurden zum Beispiel für kleinere Genossenschaften die Prüfungsregelungen verschlankt: Bis zu einem Jahresumsatz von zwei Millionen Euro müssen sie sich nur noch alle zwei Jahre einer Unternehmensprüfung unterziehen.

Neuer Gründergeist
Sogar in der Start-up-Welt ist der Trend zur Genossenschaft zu sehen. „Junge Menschen denken, arbeiten und kommunizieren heute in Communities, Kooperationen, Netzwerken, in Projekten, in Crowd-Modellen, in Sharing-Modellen, in Ökosystemen und sie nutzen Schwarmintelligenz. Sie wollen in Angelegenheiten, die ihnen wichtig sind, entscheiden und Einfluss nehmen. Dabei lehnen sie ausschließlich aktienbasierte Modelle ab, sie fordern Nachhaltigkeit: Dies spiegelt das genossenschaftliche Geschäftsmodell vor den aktuellen Rahmenbedingungen“, sagt Theresia Theurl.

Die R+V Versicherung hat dieses Potential erkannt und eigens eine Eventreihe ins Leben gerufen, um Genossenschaften und die genossenschaftliche DNA bekannter zu machen. Ende Januar 2020 hat das erste „MakerCamp Genossenschaften“ in der R+V Akademie in Wiesbaden stattgefunden, bei dem sich 180 Akteure aus vielen Bereichen über die Stärken und Potenziale von Genossenschaften ausgetauscht haben. André Dörfler, der das Projekt bei der R+V ins Leben gerufen hat, hat eine klare Botschaft: „Genossenschaften sind vielleicht eines der bestgehüteten Erfolgsgeheimnisse, aber wir wollen, dass es nicht so bleibt. Es geht darum, Genossenschaften neu zu entdecken. Denn sie sind das Modell für nachhaltiges Wirtschaften.“

Die Volks- und Raiffeisenbanken haben dies zuletzt in der Finanzkrise eindrücklich gezeigt. „Keine Bank ist so gut durch die Krise gekommen wie die V+R-Familie“, sagt Pascalina Cropp von Union Investment, dem Fondsanbieter unter dem Genossenschaftsbankendach. Entscheidend waren dabei die regionale Verankerung und die doppelte Verpflichtung gegenüber den Menschen: Als Kunden und als Miteigentümern. „Hier haben die Genossenschaftsstrukturen funktioniert und als Leuchtturm in der Krise gewirkt“. Dennoch sind die Genossenschaftsbanken derzeit herausgefordert. Die Digitalisierung verändert den Bankenmarkt grundlegend. Beratung und Erreichbarkeit in der Fläche zählt für junge, internetaffine Kunden immer weniger. Viele von ihnen kommen höchstens zur Kontoeröffnung und für einen größeren Kreditvertrag noch in die Bank. Auch Cropp sieht diese Herausforderungen: „Wir müssen auf die vielen jüngeren Bankkunden reagieren und den genossenschaftlichen Gedanken in einer neuen Nutzerwelt mit Leben füllen.“

Vielleicht profitieren sie dann umgekehrt von den Förderungen, die die R+V in junge Unternehmen investiert, um ihnen den Genossenschaftsgedanken nahezubringen. Für André Dörfler ist klar: „Die Bekanntheit von Genossenschaften ist zu gering. Zu viele Akteure wissen fast nichts darüber. Das gilt für Gründer in der Start-up-Szene wie auch für Akteure
in Bund, Ländern und Kommunen.“ Zugleich macht er deutlich, dass der Wandel bereits stattfindet: „Unternehmer in unterschiedlichen Branchen entdecken Genossenschaften neu, weil sie beim Thema Nachfolge nach Lösungen suchen, wie sie das Unternehmen an die Mitarbeiter übergeben können.“ Als Beispiele nennt er das etablierte Softwareentwicklungsunternehmen iteratec aus München, wo die Mitarbeiter den Betrieb als Genossenschaft von den Gründern übernehmen. Oder auch die Kommunikationsberatung Wigwam aus Berlin, die den Wandel von einer GmbH hin zu einer Genossenschaft vollzog. Mitarbeiter werden zu Eigentümern und das mit Erfolg. Für André Dörfler liegt der Kern von Genossenschaften in deren Sinn- und Werteorientierung: „Was alle Genossenschaften verbindet, ist die genossenschaftliche DNA: Gemeinschaft, Selbsthilfe, Selbstverantwortung, Demokratie, gesellschaftliche Verantwortung und Gemeinwohlorientierung.“

Nächster Schritt: Plattform-Genossenschaften
Was wäre, wenn Facebook eine Genossenschaft wäre? Mitglieder wären nicht nur Kunden der Plattform, sondern sie wären zugleich Besitzer. Für die Genossenschaftswissenschaftlerin Theresia Theurl hat die Idee Potential: „Genossenschaftliche Plattformen können ein Gegenmodell zum Plattformkapitalismus darstellen. Wertschöpfung und Gewinne, die mit ihren Transaktionen gemacht werden, würden so an die Mitglieder gehen, statt an Investoren. Es ist daher auch gut geeignet für Sharing-Modelle.“

Die deutsche Pionierplattform Fairmondo macht bereits vor, wie es funktionieren könnte. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, eine faire Alternative zu den großen Plattformen im Onlinehandel wie Amazon oder Zalando zu schaffen. Im Gegensatz zu den Marktführern wird Fairmondo deshalb nicht von Investoren unterstützt, sondern ist vollständig im Besitz von über 2.000 Privatpersonen. Ähnliche Ansätze verfolgt beispielsweise die Genossenschaftgeniallokal, die als Zusammenschluss unabhängiger Buchhändler eine digitale Plattform aufgebaut hat. Oder das Musikstreaming-Angebot von Resonate, das Hörer und Künstler zu Genossenschaftsmitgliedern macht. So soll sich die Vergütung der Künstler drastisch verbessern und gleichzeitig die Kunden zu Eigentümern der Musikstücke werden.

Damit sich dieses Modell in der Breite durchsetzen kann, braucht es jedoch Genossenschaften mit tragfähigen Geschäftsmodellen. Dies gewährleistet die Unabhängigkeit der Genossenschaftsmitglieder. Zusätzlich müssen Finanzierungsmodelle für Gründungen sowie für die Förderung von wirtschaftlichen und sozialen Innovationen auch für Genossenschaften nutzbar sein. So sagt auch Theresia Theurl: „Genossenschaften werden in Förderprogrammen oder bei bestimmten Ausschreibungs- und Genehmigungsverfahren nicht selten einfach vergessen. Da sollte die Politik nachbessern.“ Dem stimmt Karl-Josef Laumann zu:

Genossenschaften sind gelebte christliche Soziallehre.

Menschen tun sich zusammen. Helfen sich selbst und anderen. Wohnungen, Energiedörfer und junge Unternehmen, die Beispiele zeigen, der Genossenschaftsgedanke lebt.“ Für ihn sind Genossenschaften auch unverzichtbarer Teil der Sozialen Marktwirtschaft. „Sie ermöglichen es den Bürgerinnen und Bürgern unternehmerisch zu handeln und zugleich gemeinwohlorientierte Ziele zu erreichen. Das sollten wir als Politik stärker fördern.“

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