Mit dem Grünen Knopf kommt das staatliche Siegel für sozial und ökologisch nachhaltig hergestellte Textilien in die Geschäfte. Dr. Gerd Müller, Bundesminister für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erklärt, worum es geht.

Mehr als 50 Textil-Unternehmen machen bereits mit. Vom kleinen Ein-Person-Unternehmen, über Mittelständler, anerkannten Nachhaltigkeits-Vorreiter und Outdoor-Marken bis hin zu großen Unternehmen mit mehreren Tausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sie alle zeigen, dass faire Lieferketten auch in einer globalisierten Welt möglich sind.

75 Millionen Menschen arbeiten weltweit in den Textilfabriken, vor allem Frauen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Oftmals unter schwierigsten Bedingungen. In Äthiopien verdienen Näherinnen weniger als 20 Cent die Stunde. Das reicht nicht um Miete, Essen, den Schulbesuch der Kinder oder einen Arzt zu bezahlen. Diese Zustände sind untragbar und wir müssen sie ändern.

Denn eine fürchterliche Katastrophe wie der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza 2013 in Bangladesch darf sich nie wiederholen. Beim bislang schwersten Unglück in der Geschichte der Textilindustrie starben 1.136 Menschen, 2.438 trugen teils schwerste Verletzungen davon. Vielen ist durch diese Tragödie erst bewusst geworden, unter welchen Bedingungen unsere Kleidung hergestellt wird.

Damit sich grundlegend etwas ändert, haben wir 2014 das Textilbündnis gegründet. Mit Erfolg! Die 120 Mitglieder – Unternehmen, Verbände, Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen – setzen jedes Jahr viele konkrete Schritte zur Verbesserung der Arbeits- und Umweltbedingungen in der Textil-Lieferkette um. Aber noch ist es nicht leicht, nachhaltige Mode in den Geschäften zu erkennen. Das ändern wir jetzt mit dem Grünen Knopf.

Das staatliche Textilsiegel wird gut sichtbar an T-Shirts oder Rucksäcken angebracht. Der Staat legt die Kriterien für den Grünen Knopf fest. Die Einhaltung wird von unabhängigen Prüfstellen kontrolliert. Wenn notwendig, prüfen deren Fachleute auch die Produktionsstätten in Bangladesch. Das schafft Vertrauen für die Verbraucherinnen und Verbraucher.

Insgesamt müssen für den Grünen Knopf 46 anspruchsvolle soziale und ökologische Kriterien erfüllt werden, wie Abwassergrenzwerte, das Verbot gefährlicher Chemikalien, Mindestlöhne und das Kinderarbeitsverbot. Immer wird auch das gesamte Unternehmen geprüft – einzelne Vorzeigeprodukte reichen nicht aus. In dieser Tiefe prüft sonst keiner.

Wir fangen jetzt mit den wichtigsten Arbeitsschritten „Nähen“ und „Färben“ an. Denn hier sind die sozialen und ökologischen Herausforderungen besonders groß. In den kommenden Jahren werden wir den Grünen Knopf auch auf den Baumwollanbau ausweiten. Denn unser Ziel ist der Schutz von Mensch und Umwelt in der gesamten Lieferkette. Auch die Sozial- und Umweltkriterien werden wir kontinuierlich weiterentwickeln. Ein Beirat aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft wird uns dabei unterstützen. Mit dem Grünen Knopf setzen wir jetzt einen hohen Standard. Und zeigen, dass sozial und ökologisch nachhaltige Lieferketten möglich sind. Das kann niemand mehr in Frage stellen.

Jetzt kommt es auf uns alle an. Mit jeder Kaufentscheidung können wir einen Beitrag leisten: Für eine gerechte Globalisierung, bei der Mensch und Natur nicht für unseren Konsum ausgebeutet werden. Für Menschlichkeit, Humanität und Solidarität. Für die Bewahrung der Schöpfung. Auch die öffentliche Beschaffung kann und muss einen Beitrag leisten.

Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 insgesamt 50 Prozent der Textilien nach sozialen und ökologischen Kriterien zu beschaffen. Der Bund, aber auch Kommunen, Krankenhäuser, Polizeidienststellen können ab jetzt den Grünen Knopf nutzen, um Arztkittel, Hemden und Bettwaren nachhaltig zu beschaffen. Als globales Siegel, eingetragen beim Deutschen Patent- und Markenamt, erfüllt er die Voraussetzungen dafür.

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