Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt ist aktuell wieder im Fokus der Politik. Nachdem bereits im Dezember 2020 wichtige Anpassungen bei der Ausbildungsprämie erfolgten, etwa die Ausweitung der Übernahmeprämie auf alle Unternehmensgrößen für die Auszubildenden aus insolventen Betrieben, gibt es jetzt konkrete Vorschläge der Arbeitnehmergruppe für einen „Schutzschirm für Ausbildung“.


Aus Sicht der Jungen CDA ist die durch die Bundesregierung erfolgte Ausweitung, Erhöhung und Verlängerung der Ausbildungsprämien ein wichtiger Schritt. Die Pandemie geht aber weiter und damit auch die wirtschaftliche Unsicherheit in vielen Betrieben. Eine Verlängerung um mindestens ein Jahr ist somit dringend nötig, um das Ausbildungsplatzangebot zu stabilisieren.

Auch der Kreis der anspruchsberechtigten Betriebe wird richtigerweise erweitert. Bislang sind nur kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit bis zu 249 Beschäftigten vom Programm „Ausbildungsplätze sichern“ erfasst. Eine Ausweitung auf Unternehmen mit bis zu 999 Beschäftigten ist aus unserer Sicht sinnvoll. Zum einen, weil laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung 10 Prozent der ausbildungsberechtigten Betriebe ihr Engagement aus wirtschaftlicher Unsicherheit und/oder finanziellen Gründen in diesem Jahr reduzieren wollen. Zum anderen, da in diesem Jahr mit einer größeren Zahl an Bewerberinnen und Bewerbern zu rechnen ist, da wir eine „Bugwelle“ an unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern aus dem letzten Jahr vor uns herschieben, zu der zusätzlich ein stärkerer Schulabschlussjahrgang hinzukommen wird. Jetzt kommt es darauf an, dass Unternehmen die Zahl der Ausbildungsplätze nicht nur beibehalten, sondern am besten erhöhen. In dieser Hinsicht ist auch die angekündigte Erhöhung der Prämien ein richtiger Schritt. Trotzdem wird die Ausweitung, Erhöhung und Verlängerung der Ausbildungsprämien nicht reichen. Die weitergehenden Vorschläge der Arbeitnehmergruppe sind deshalb entscheidend: Anreize für Praktika, eine Medienkampagne für die duale Ausbildung, die Idee eines „Sommer der Ausbildung“, vor allem aber die Einrichtung einer digitalen Berufsorientierungs-Plattform sind wichtige Bausteine, um die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Ausbildung abzufedern.

Denn der Rückgang der abgeschlossenen Ausbildungsverträge um 11 Prozent im vergangenen Jahr liegt insbesondere am unzureichenden „Matching“ (Zusammenführung von Angebot und Nachfrage). Maßnahmen der Berufsorientierung sind ausgefallen, Schülerinnen und Schüler blieben ein stückweit orientierungslos im Dschungel der Angebote und Möglichkeiten zurück. Andere haben sich bei der negativen Aussicht auf dem Ausbildungsmarkt gleich zurückgezogen – diese junge Menschen jetzt zu erreichen und Zukunftsoptionen aufzuzeigen, bevor ihre Motivation ganz verschwunden ist, ist aus unserer Sicht eine der vordringlichsten Aufgaben. Das gilt auch für 210 000 junge Menschen, die im vergangenen Jahr die Schule ohne Abschluss verlassen haben.

Gerade der Blick auf junge Menschen mit Förderbedarf darf nicht verloren gehen. Zwar ist die Situation aktuell für alle schwierig, aber vor allem Schülerinnen und Schüler, die selbst in wirtschaftlich starken Zeiten schlechtere Chancen haben, drohen nun ganz abgehängt zu werden - vor allem ohne Schulabschluss. Deswegen ist die Finanzierung der Berufseinstiegsbegleitung und existierender Maßnahmen wie die assistierte Ausbildung, ausbildungsbegleitende Hilfen, etc., sicherzustellen und deren Bekanntheit zu erhöhen.

Aus Sicht der Jungen CDA kommt in der Diskussion seit Ausbruch der Pandemie ein Punkt zu kurz: die Situation des Berufseinstiegs nach Ausbildung oder Studium. Die Kurzarbeit sichert zahllose bestehende Arbeitsplätze und stützt den wirtschaftlichen Aufschwung, sobald wir das Infektionsgeschehen dank den Impfungen im Griff haben. Die Kurzarbeit sorgt aber auch für einen statischen Arbeitsmarkt. Wenn jedes 10. Unternehmen aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheit weniger oder keine Auszubildende einstellen will, dann wird es sich auch bei Neueinstellungen generell zurückhalten.

Die Jobchancen sind 2020 für Jugendliche unter 25 Jahren im Vergleich zu anderen Altersgruppen insgesamt schlechter geworden. Die Jugendarbeitslosigkeit lag Ende 2020 bei 5,6Prozent, die Abgangsquote in den 1. Arbeitsmarkt für unter 25-Jährige sank um 22 Prozent im Vorjahresvergleich und damit um ganze 3 Prozentpunkte mehr, als im Verhältnis zur Gesamtzahl der Arbeitssuchenden. Das hat damit zu tun, dass insgesamt weniger Unternehmen neue Arbeitskräfte suchen. Die Zahl der gemeldeten Stellen ist seit März nahezu eingebrochen, hat sich erfreulicherweise im 4. Quartal 2020 angefangen zu erholen. Inwiefern die anhaltenden Corona-bedingten Einschränkungen diese Erholung beeinflusst haben, bleibt abzuwarten.

Auf einem kompetitiver werdenden Arbeitsmarkt ziehen junge Menschen ohne oder mit nur wenig Berufserfahrung häufig den Kürzeren. Das trifft vor allem junge Menschen hart, die am Anfang ihres Berufs- und Lebensweges stehen. Denn aus den Wirtschaftswissenschaften und der Lebenslaufforschung wissen wir, dass eine frühe Arbeitslosigkeit langanhaltende negative Folgen für junge Menschen hat. Diese sogenannten „Scaring-Effekte“ – also Vernarbungseffekte – können hinsichtlich des Einkommens und der beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten, aber auch der Gesundheit und der Lebenserwartung teilweise erst Jahrzehnte später kompensiert werden.

Ein weltweit vorbildliches Ausbildungssystem und innovative Studiengänge allein können keine Wirkung zeigen, wenn junge Menschen nach Ausbildung oder Studium nicht in der Arbeitswelt ankommen. Es kann auch nicht richtig sein, dem historisch schnellsten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel mit statischen Belegschaften zu begegnen. Wenn wir gerade jetzt junge Menschen vom Arbeitsmarkt und diesen gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen ausschließen, drohen wir bei Innovationen, Digitalisierung und neuen Arbeitsformen den Anschluss zu verlieren. Unverzichtbare Fachkräfte würden uns verloren gehen. Ohne eine herausragende wirtschaftliche Dynamik werden sich die Ausgaben für milliardenschwere Hilfsprogramme auch nicht wieder erwirtschaften lassen.

Nach der Finanzmarktkrise 2008/2009 hatte die junge Generation die Chance, sich am wirtschaftlichen Aufschwung zu beteiligen. Die seither über ein Jahrzehnt anhaltend positive wirtschaftliche Entwicklung hat zu einer zügigen Aufnahme junger und gut ausgebildeter Menschen in den Arbeitsmarkt geführt. Umgekehrt ist dieser schnelle Zugang junger Menschen in Arbeit aber ohne Frage auch eine Ursache für den anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung gewesen. Bereits im Sommer haben wir als Junge CDA weitere Maßnahmen zur Förderung der Arbeitsmarktpartizipation junger Menschen gefordert. Wir bekräftigen diese Forderung und schlagen die Einführung eines Berufsstarterbonus bei Neueinstellungen nach Abschluss des Studiums bzw. der Ausbildung vor. Nicht nur zum Wohl der jungen Menschen selbst, sondern auch um die Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland zu stärken.

Gernot Nahrung, Jahrgang 1986, ist Bundesvorsitzender der Jungen CDA

Originaltext erschienen in: Arbeitnehmergruppe Aktuell 2021 (1)

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