Mit Annika Wünsche haben der DGB und die CDA eine starke Vertreterin bei der Internationalen Arbeitsorganisation. Für die SO! wirft sie einen Blick in die hundertjährige Geschichte der ILO.

Das Jahr 2019 ist das Jahr der Demokratie, der Jubiläen und Jahrestage. Auch die ILO blickt auf eine bemerkenswerte 100-jährige Geschichte zurück. Gegründet 1919, vereint sie als Sonderorganisation der Vereinten Nationen 187 Mitgliedsstaaten. Sie ist die bedeutendste Institution der internationalen Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik. Getragen vom gemeinsamen Willen der Regierungen, der Arbeitgeber und der Arbeitnehmerschaft, soziale Gerechtigkeit voranzutreiben, menschenwürdige Arbeit zu schaffen und Armut zu bekämpfen. Ein kurzer Blick in die Historie lohnt sich. Vor rund 100 Jahren, zum Jahreswechsel 1918/1919, wurden die Versailler Verträge verhandelt: Kriegsschuldfrage, Reparationszahlungen und Grenzziehungen in Europa.

Weniger bekannt ist, dass auch die Idee der ILO aus den Versailler Verträgen hervorgegangen ist. Kurz zuvor hatte in Deutschland das Stinnes-Legien-Abkommen erstmals dafür gesorgt, dass Vereinigungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf Augenhöhe Löhne miteinander verhandeln. Es war der Beginn der Sozialpartnerschaft. Die ILO übertrug diese Idee auf die internationale Ebene.

Zu den Zielen der ILO gehören heute der Acht-Stunden-Tag oder die 48 Stunden Woche, der Grundsatz gleichen Lohnes ohne Unterschied des Geschlechts für eine Arbeit von gleichem Wert, keine Kinderarbeit in Industriebetrieben, um nur einige zu nennen. Diese Rechte haben universellen Charakter, vergleichbar der Menschenrechte! Gute Arbeitsbedingungen, faire Entlohnung oder besser gesagt, „decent work“ sind ein menschliches Grundrecht.

Heute führen demographische, ökologische, soziale und ökonomische Veränderungen zu einem grundlegenden Wandel in der Arbeitswelt. Digitalisierung und „Zukunft der Arbeit“ stehen bei der diesjährigen Jubiläumskonferenz in Genf ganz oben auf der politischen Agenda. Als Gewerkschaftsbewegung erwarten wir, dass die Energie des Jubiläumsjahres dem internationalen Arbeitsstandard „Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt beenden!“ zum Erfolg verhilft.

In der diesjährigen, alles entscheidenden Diskussion dazu, geht es um die Frage, ob wir einen solchen Arbeitsstandard verabschieden werden und wie effektiv dieses Instrument sein wird. Bis zuletzt werden wir uns für eine ILO-Konvention mit Empfehlungen einsetzen – das wirkungsvollste Instrument der ILO. Staaten sind dann völkerrechtlich an die Konvention gebunden.

Bereits in der Präambel der ILO von 1919 steht: „Der Weltfriede kann auf die Dauer nur auf sozialer Gerechtigkeit aufgebaut werden.“ Die Worte sind heute genauso aktuell und gültig wie damals. Die ILO hat dieses Jahr zu ihrem besonderen Jubiläum die Chance, dies unter Beweis zu stellen.

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