Tanken, Heizen, Essen gehen – das Leben ist in den letzten Monaten spürbar teurer geworden. Allein die Energiekosten sind gegenüber dem Vorjahr um satte 18,7 Prozent gestiegen. Benzin ist aktuell 35 Prozent teurer, die Kosten für Heizöl haben sich binnen Jahresfrist sogar verdoppelt.

Und wer derzeit ein Haus baut, der bekommt die gestiegenen Rohstoffpreise besonders drastisch zu spüren: Holz ist zeitweise dreimal so teuer gewesen wie letztes Jahr, Stahl und Dämmmaterialien um rund 60 bzw. 30 Prozent.

Im Oktober betrug die Inflationsquote 4,5 Prozent, der höchste Wert seit 28 Jahren. Die Gründe sind verschieden. Ein Teil der Preissteigerungen ist auf die ungewöhnlich tiefen Preise in 2020 zurückzuführen. So sind die globalen Energiepreise zu Beginn der Corona-Krise wegen der weggebrochenen Nachfrage stark zurückgegangen, nun ziehen sie mit der konjunkturellen Erholung wieder an. Auch die zeitweilige Senkung der Mehrwertsteuer im zweiten Halbjahr 2020 wirkt sich so aus. Dadurch wurden vor Jahresfrist die Preise noch einmal um drei Prozent gedämpft. Aber auch eine Mischung aus den gestörten internationalen Lieferketten durch die Corona-Pandemie, Extremwetterereignisse und logistische Probleme wie der Stau im Suezkanal lassen die Preise klettern.

Bisher geht die Europäische Zentralbank davon aus, dass die hohe Inflation nur vorübergehend ist. Ihrer Einschätzung nach soll sie bereits 2022 wieder sinken und sich mittelfristig beim ausgegebenen Stabilitätsziel von zwei Prozent einpendeln. Allerdings ist die Prognose der EZB unter Ökonomen durchaus umstritten. Ob sie eintrifft, hängt auch von den Erwartungen der Menschen ab. Gehen diese davon aus, dass die Preise weiter steigen, dann „werden die Arbeitnehmer Käufe vorziehen und höhere Löhne fordern. Die Unternehmen wiederum werden ihre Preise anheben, wenn sie damit rechnen, höhere Löhne und höhere Erzeugerpreise zahlen zu müssen“, erklärt DIW-Ökonomin Kerstin Bernoth. Hinzukommt, dass die Gewerkschaften nach den maßvollen Corona-Abschlüssen der letzten Jahre mit der Forderung nach deutlichen Lohnsteigerungen in die Tarifrunden 2022 gehen wollen. Für Elke Hannack, CDA- und DGB-Bundesvize, ist klar:

Die Inflation darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden. Für eine gerechte Lohnentwicklung braucht es eine ordentliche Erhöhung und keine Reallohnverluste.

Unabhängig von der Frage wie sich die Inflation nun langfristig weiterentwickelt, ist es für den CDA-Bundesvorsitzenden Karl-Josef Laumann entscheidend die „Schwächsten in unserer Gesellschaft“ vor den aktuellen Preissteigerungen zu schützen: „Spritpreise, Lebensmittel und Heizkosten sind einfach verdammt teuer geworden. Das sind keine Luxusartikel, auf die man mal verzichten kann.“ Fakt ist: Je länger die Inflationsrate hoch ist, desto mehr geraten insbesondere die kleineren und mittleren Einkommen unter Druck, aber auch die Empfänger von staatlichen Transferleistungen.

Die Regelsätze für Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe oder die Grundsicherung im Alter sind an die Entwicklung der Löhne und die Inflation aus dem Vorjahr gekoppelt. Steigt die Inflation – wie in diesem Jahr – sprunghaft an, führt das erst mit einem Jahr Verzögerung zu höheren staatlichen Leistungen. Dieser Logik folgend wurden zum Beispiel die Hartz-IV-Sätze für 2022 nur um drei Euro erhöht. Die aktuellen Inflationsraten finden dann erst 2023 in den Sätzen Berücksichtigung. Laumann kritisiert das: „Die Leute haben heute die höheren Kosten und nicht erst nächstes Jahr. Die brauchen heute mehr Geld. Für Hartz-IV-Empfänger, Menschen, die zum Mindestlohn arbeiten, genauso wie Rentner mit kleinen Renten brauchen wir sozialpolitische Antworten auf die galoppierende Inflation.“

Die Junge CDA sieht dabei grundsätzlichen Reformbedarf. „Die aktuelle Situation zeigt, dass wir das System staatlicher Transferleistungen flexibilisieren müssen, um im Notfall schnell reagieren zu können. Wenn der Inflationswert einen bestimmten Richtwert übersteigt, könnte ich mir zum Beispiel gut einen Mechanismus vorstellen, der die Regelsätze quartalsmäßig und nicht jährlich anpasst.“, so der JCDA-Bundesvorsitzende Gernot Nahrung.

„Höhere Tarifabschlüsse und eine frühere Erhöhung von Transferleistungen lindern die Symptome, aber lösen nicht das Problem. Die Inflation ist und bleibt die unsozialste Steuer, die es gibt“, unterstreicht auch CDA-Vize Christian Bäumler. „Deshalb muss die EZB dringend die Geldwertstabilität wieder zu ihrem obersten Ziel machen und die Inflation in den Griff bekommen.“

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