Die letzten Wochen haben gezeigt, wie schnell Bundes- und Landesregierungen gemeinsam mit den Parlamenten in Krisenzeiten handeln können. In Windeseile wurden Schutz- und Rettungsschirme gespannt und Maßnahmen getroffen, um möglichst viele Menschen in diesem Land vor den gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu schützen.

Je länger die Krise dauert, desto mehr verschiebt sich der zeitliche Horizont der Maßnahmen. Wichtig war zu Beginn, bestehende Beschäftigungsverhältnisse durch ein vereinfachtes Kurzarbeitergeld und Liquiditätshilfen zu sichern. Die wirtschaftlichen Folgen von Corona werden uns aber länger begleiten, das ist jedem klar. Darauf wurde unter anderem bereits mit der Verlängerung des Arbeitslosengeld I-Bezugs und der Erhöhung des Kurzarbeitergeldes reagiert. Auch die Diskussion über Wirtschaftsstimuli ist längst voll entbrannt.

Als Junge CDA blicken wir mit großer Sorge vor allem auf die Zukunftschancen junger Menschen. Bis Mitte März war die Zukunftsperspektive auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt insgesamt noch ziemlich positiv. Jetzt stehen viele Jugendliche und junge Erwachsende abrupt vor einer ungewissen und unsicheren Zukunft. Hauptgrund ist die herrschende Unsicherheit bei vielen Unternehmen und die gesunkene Bereitschaft, Neueinstellungen vorzunehmen. Der Arbeitsmarkt ist durch den Corona-Schock wie versteinert – existierende Beschäftigte werden mittels Kurzarbeitergeld gehalten, Neueinstellungen gestoppt. Das trifft vor allem junge Menschen hart, die am Anfang ihres Berufs- und Lebensweges stehen.

Die Politik muss diese jungen Menschen viel stärker in den Blick nehmen und ihnen eine faire Chance auf ihre Zukunft ermöglichen. Ziel muss es sein, einen „Corona-Jahrgang“ zu verhindern!

Auf dem Ausbildungsmarkt gibt es bereits erste Berichte über Unternehmen, die aufgrund der Unsicherheit Ausbildungsgesuche zurücknehmen oder sogar bereits geschlossene Ausbildungsverträge für Spätsommer 2020 kündigen. Dies ist ein deutliches Alarmsignal. Zu Recht warnt Elke Hannack, Stellv. DGB-Bundesvorsitzende und Stellv. CDA-Bundesvorsitzende, vor einem Corona-Crash auf dem Ausbildungsmarkt und einer drohenden sozialen Spaltung. Als Gegenmaßnahme schlägt der DGB einen Bonus für Unternehmen vor, die Auszubildende aus insolventen Betrieben übernehmen und ein Bundesprogramm für außerbetriebliche Ausbildungsplätze.

Als Junge CDA fordern wir darüber hinaus, neue Ausbildungsverträge mit einem Zuschuss zu fördern.

Für Ausbildungsverhältnisse, die in diesem Jahr abgeschlossen werden, soll die Ausbildungsvergütung für das erste Lehrjahr vollständig durch den Bund übernommen werden. Diese Förderung soll zielgerichtet Betrieben zugute kommen, die trotz wirtschaftlicher Unsicherheit bereit sind, jungen Menschen eine Ausbildung zu ermöglichen. Bei vorzeitiger Beendigung des Ausbildungsverhältnisses - auch über das erste Lehrjahr hinaus – sollten die Gelder erstattet werden.

Eine ähnliche Regelung kann auch helfen, die Übernahme von Auszubildenden zu fördern. Für Betriebe, die in wirtschaftlich unsicheren Zeiten ihre Auszubildenden unbefristet übernehmen, schlagen wir die Übernahme der Sozialversicherungsbeiträge befristet bis August 2021 vor.

Die Unsicherheit bei der Neueinstellung betrifft aber nicht nur Auszubildende, sondern auch Absolventinnen und Absolventen. Wer jetzt sein Studium beendet und auf den Arbeitsmarkt kommt, vor dem tut sich plötzlich der Boden auf. Die Aussichten sind düster, sie werden unmittelbar zu Grundsicherungsempfängern.

Als Junge CDA wollen wir die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt in Gang zu bringen und Absolventinnen und Absolventen Chancen eröffnen. Daher schlagen wir vor, dass Unternehmen, die trotz Krise junge Berufseinsteiger einstellen, ebenfalls durch die Übernahme der Sozialversicherungsbeiträge gefördert werden. Ähnliche Maßnahmen haben sich schon in der Finanzkrise 2008/2009 bewährt und werden auch in der Corona-Krise etwa vom Forschungsbereichsleiter des IAB, Enzo Weber vorgeschlagen.

Dabei müssen sogenannte „Drehtür-“ bzw. „Mitnahme-Effekten“ verhindert werden. Bestehende Beschäftigungsverhältnisse dürfen nicht ersetzt werden, nur um die Neueinstellungsförderung zu erhalten.

Als Anknüpfungspunkt zur Feststellung der ökonomischen Unsicherheit schlagen wir deshalb vor, dass mindestens 10 Prozent der Belegschaft Kurzarbeitergeld bezogen hat bzw. bezieht. Dieses Kriterium würde Mitnahme-Effekte reduzieren. Um auch Klein- und Kleinstunternehmen mehr Sicherheit zu verschaffen und Neueinstellungen zu fördern, soll von diesem Kriterium bei Betrieben mit bis zu 5 Beschäftigten abgesehen werden. Als weitere Bedingungen zur Vermeidung von Drehtür- und Mitnahme-Effekten schlagen wir vor, nur unbefristete bzw. mit Sachgrund befristete Neueinstellungen zu fördern.

Neben Auszubildenden und Absolventinnen/Absolventen gibt es noch eine dritte Gruppe, die in den Blick genommen werden muss. Viele Beschäftigte – weitüberwiegend Frauen - steigen für einen bestimmten Zeitraum aus ihrem Beschäftigungsverhältnis aus, um sich der Gründung einer Familie, Kindererziehung oder der Pflege eines Angehörigen zu widmen. Für sie ist der Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt schon in normalen Zeiten nicht einfach. Um aus der familiären Pflege und Erziehung keinen Nachteil entstehen zu lassen, könnte auch für diese Personengruppe eine Förderung durch eine befristete Übernahme der Sozialversicherungsbeiträge - analog zur vorgeschlagenen Regelung für Berufseinsteiger – erfolgen.

Natürlich bedeuten die vorgeschlagenen Maßnahmen erneut hohe Ausgaben für den Staat. Wir sind allerdings der Überzeugung, dass es sich um gut investiertes Geld handelt. Denn von den Auswirkungen der Corona-Krise wird mindestens ein ganzer Jahrgang betroffen sein, der langfristig Probleme beim Einstieg in den Arbeitsmarkt haben wird und somit Sozialleistungen beziehen muss. Außerdem zeigt die Erfahrung: Sozialleistungsbezug kann sich verhärten – oder anders gesagt: je früher und erfolgreicher junge Menschen in das Berufsleben starten, desto besser ist es für Staat, Gesellschaft und Wirtschaft insgesamt.

Dieser zeitlich befristete Schutzschirm für junge Menschen ist sowohl eine Investition in die persönliche Zukunft der Fachkräfte von morgen, als auch in die Zukunft unserer Wirtschaft insgesamt. Er stellt den Menschen in den Mittelpunkt.

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag