Auf Anfrage der Welt am Sonntag hat sich Karl-Josef Laumann zur Lage der Gewerkschaften geäußert. Lesen Sie hier sein ganzes Statement:

„Wir erleben seit Jahren einen Rückgang der Tarifbindung. Das ist keine gute Entwicklung für die Arbeitnehmer. Für die Politik bringt sie erhebliche Probleme mit sich. Denn klar ist, wenn Tarifvertragsparteien nicht mehr die Arbeitsbedingungen einzelner Branchen und Regionen regeln, dann steigt der Druck auf die Politik, es zu tun. Dann muss das Arbeitsministerium zunehmend die Aufgaben der Sozialpartner übernehmen. Der Mindestlohn war ja auch so eine Reaktion. Den hätte es nicht gebraucht, wenn wir flächendeckend Tarifverträge gehabt hätten.

Der Staat kann Mindeststandards setzen, aber er kann nicht kleinteilig auf die Bedürfnisse der einzelnen Branchen und Regionen eingehen.

Das überfordert ein noch so kompetentes Ministerium. Dafür brauchen wir die Tarifpartner. Es ist deshalb dringend nötig, zu handeln. Ich erwarte von der Bundesregierung, dass eine Strategie zur Stärkung der tariflichen Ordnung erarbeitet wird. Wenn wir diesen Grundpfeiler der Sozialen Marktwirtschaft vernachlässigen, bringt uns das in Teufels Küche. Diese Einstellung wünsche ich mir auch von meiner eigenen Partei.
Wenn die Tarifbindung weiter sinkt, sollten wir zumindest die bestehenden Tarifverträge ausweiten. Ich bin deshalb schon der Meinung, dass wir mehr allgemeinverbindliche Tarifverträge brauchen. Dafür müssen wir ganz konkret die Blockademöglichkeit der Arbeitgeberverbände einschränken.“

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