In der politischen Diskussion ist der Begriff der Nachhaltigkeit und der nachhaltigen Entwicklung fest verankert. Jedes Vorhaben wird unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit geprüft, und die Klimaschutzdebatten im letzten Jahr haben dem Thema eine hohe Medienpräsenz gegeben. Doch was bedeutet Nachhaltigkeit für Bürgerinnen und Bürger im Alltag, und was kann die Politik dazu beitragen? Kerstin Vieregge berichtet von Projekten aus ihrem Wahlkreis.

Bereits seit 2015 haben sich die Vereinten Nationen mit allen 193 Mitgliedstaaten zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele bekannt. Das war ein historisches Abkommen. Doch fünf Jahre später müssen wir uns eingestehen, dass die anvisierten Ziele nicht erreicht werden. Man muss sich die Frage stellen, ob es sich ein wohlhabender Staat wie Deutschland erlauben kann, auf Kosten der nachfolgenden Generationen zu leben. Müssen wir unseren Planeten nicht wenigstens so weitergeben, wie wir ihn bei der Geburt vorgefunden haben?

Auch die aktuelle Corona-Krise zeigt uns auf, dass wir mit gemeinsamer Anstrengung viel erreichen können. Das muss uns auch in Bezug auf Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit gelingen.

Bei den Zielen für nachhaltige Entwicklung geht es vor allem um Maßnahmen zum Klimaschutz oder um gleichberechtigte und hochwertige Bildung. Zudem steht die Bekämpfung von Armut und Hunger ebenso auf der Agenda, wie die Entwicklung eines nachhaltigen Konsum- und Produktionsverhaltens. Wenn auch das Bewusstsein der Industrieländer gestiegen ist, so geht die Schere des Wohlstands zwischen Industrie- und Drittländern immer weiter auseinander. Wir müssen unseren Versprechungen nun auch Taten folgen lassen. Das funktioniert nur, wenn wir uns auch aktiv dafür einsetzen! Denn handeln fängt in jedem Land vor Ort an. Durch Erzeugung von Nahrungsmitteln und Dingen des täglichen Lebens, können wir – bei gerechten Löhnen und Arbeitsbedingungen und unter Berücksichtigung der 17 Nachhaltigkeitsziele – auch vor Ort viel erreichen. Und genau hier sollten wir als Politiker und Vertreter eines Wahlkreises mit gutem Beispiel vorangehen.

Aus diesem Grund habe ich meine letzte Sommertour durch meinen Wahlkreis „Lippe I“ in Nordrhein-Westfalen unter das Motto der nachhaltigen Entwicklung gestellt. Die 17 globalen Ziele der UN-Agenda 2030, mit denen wir uns zur Schaffung einer besseren und nachhaltigen Zukunft verpflichtet haben, geben dabei den Rahmen vor. Die Ziele umfassen ökonomische, ökologische und soziale Aspekte. Dabei unterstreicht die Agenda 2030 die gemeinsame Verantwortung aller Akteure: Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft – und jedes einzelnen Menschen.

Um diese Ziele erlebbar zu machen und sie von einer abstrakten Ebene in konkrete Schritte vor Ort umzusetzen, habe ich mich zu allen 17 Zielen der Nachhaltigkeit der Vereinten Nationen mit einer Vielzahl von Gesprächspartnern in Vereinen, Unternehmen und Organisationen getroffen. Dabei konnte ich mir ein Bild über vorbildliches nachhaltiges Handeln in meinem Wahlkreis machen. Im persönlichen Austausch mit den regionalen Akteuren konnte ich erfahren, was bereits möglich ist, aber auch, wo noch Verbesserungsbedarf besteht. So könnten die Tafeln in Lippe noch mehr Menschen unterstützen, wenn die Probleme beim Haftungsübergang bei Molkereiprodukten und der Bürokratieaufwand reduziert würden.

Konkret wurde auch der Bekanntheitsgrad von KfW-Mitteln und Förderprogrammen bei den Verbrauchern verbessert. Aus dem Bereich der kommunalen Versorger konnte ich viele Anregungen in Bezug auf die Weiterentwicklung der Förderung von Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung für die CO2- Einsparung mitnehmen. Damals wie heute aktuell ist der Erhalt unserer durch Trockenheit und Schädlingsbefall gefährdeten Wälder.

Nach intensiven Gesprächen vor Ort konnten wir durch die Maßnahmen des Bundes für viele Waldbesitzer eine finanzielle Unterstützung erreichen. Durch meine Initiative sind Heilbäder nunmehr ein wichtiges Feld innerhalb des Entwurfes der nationalen Tourismus-Strategie. Dafür mache ich mich auch weiterhin stark. Die Corona-Pandemie hat gerade erst deutlich gemacht, wie wichtig alle Teile unseres Gesundheitssystems in Deutschland sind - insbesondere auch die Bereiche Prävention und Rehabilitation.

Das Angebot an nachhaltigen Projekten war sehr groß im Wahlkreis. Vom Biohof mit einem „Unverpackt“- Laden, über eine der modernsten Kläranlagen Europas bis hin zu Repair-Cafés oder den Verein „Echidime“, der sich für Bildungsprojekte in Nigeria engagiert – die Liste der Gesprächspartner war lang und sehr inspirierend für mich.

Ein zentrales Element der Tour war meine Handysammelaktion. Bei verschiedenen Terminen und in meinem Wahlkreisbüro konnte ich so über 70 Alt-Geräte dem fachlich korrekten Recycling und damit dem Rohstoffkreislauf wieder zurückführen - der Erlös in Zusammenarbeit mit „HandyaktionNRW.de“ ging unter anderem an Brot für die Welt und Projekte in Afrika.

Zugleich habe ich meine Nachhaltigkeitstour 2019 digital auf meiner Website erlebbar dargestellt. Jeder Termin der Tour kann unter www.kerstin-vieregge.de/nachhaltigkeit als Artikel nachgelesen werden - zum Teil auch als Videozusammenfassung. Des Weiteren habe ich jedes einzelne Nachhaltigkeitsziel vorgestellt und zusätzliche Informationen zu den Themen Nachhaltigkeit, Klimaschutz, eine Terminübersicht sowie weitere Informationen zur
Handy-Sammelaktion aufgeführt.

Es war für mich ein besonderes Erlebnis, so viele positive Projekte und Ideen zu sehen. Bei all den Terminen wurde mir aber auch bewusst, dass es an uns liegt, wie wir unseren Alltag gestalten und welchen Fußabdruck jeder einzelne von uns auf dieser Erde hinterlassen wird.

Bereits mit kleinen Änderungen, können wir etwas bewegen. So ist der Mehrwegbecher in meiner Handtasche ein steter Begleiter im Alltag – in Lippe wie auch in Berlin. Wenn Sie mehr über die Idee der Nachhaltigkeitstour erfahren möchten, stehe ich gerne für ein persönliches Gespräch bereit.

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