Für Karl-Josef Laumann war es eine klare Sache, als die CDA-Landesvorsitzenden aus Brandenburg und Sachsen ihn nach Unterstützung im Wahlkampf fragten. Anstatt Urlaub zu machen, nahm er sich vier Tage Zeit und unterstützte die CDU bei den Landtagswahlen zum 1. September. Als Präsidiums-Mitglied der CDU war die Tour letztlich auch ein Einblick in Regionen von Deutschland, in denen die AfD überdurchschnittlich hohe Zustimmungswerte bekommt.

Über rund 1.200 Kilometer führte die Wahlkampftour vom Landkreis Potsdam-Mittelmark bis ins tiefe Erzgebirge und die Region um Görlitz. Im Mittelpunkt stand dabei stets die Sozial- und Gesundheitspolitik. Egal ob beim Austausch mit Betriebsräten, beim Pflege-Dialog oder beim Grillabend, Karl-Josef Laumann wollte erfahren, wo den Leuten der Schuh drückt. Denn allen Wahlkreisen war eins gemein: die AfD droht hier die stärkste Kraft zu werden. Es galt nicht nur von der Politik der CDU zu überzeugen, sondern auch zu verstehen, weshalb die AfD hier einen so hohen Zulauf erhält. Und dann auch mit nachvollziehbarer politischer Gestaltung dagegen zu halten.

Pflege wird immer deutlicher zum Wahlkampfthema.

Schon nach den ersten Stationen wurde deutlich, viele der anwesenden Bürger bewegt die Altenpflege der Angehörigen. Der hohe Eigenanteil an den Pflegekosten, die zu schlechte Bezahlung der Pflegekräfte sowie die Angst vor der Altersarmut wurden immer wieder genannt. Und Karl-Josef Laumann nahm sich Zeit, um über die Reformen der Pflegeversicherung aufzuklären. Dass z.B. Kinder künftig erst ab einem Jahreseinkommen von 100.000 für die Pflege der Eltern bezahlen müssen. Oder er berichtete darüber, wie er in NRW das Schulgeld für Pflegeauszubildende abgeschafft hat und die Pflegeheime künftig strenger kontrolliert werden.

Knackpunkte der Diskussionen waren die hohen Kosten der Pflege.

Groß ist die Verärgerung, wenn festgestellt wird, dass ein erheblicher Teil der Rente für die Pflege der Angehörigen ausgegeben werden muss, obwohl doch stets in die Pflegeversicherung eingezahlt wurde. Entgegen der Krankversicherung leistet die Pflegeversicherung nur einen unterstützenden Beitrag. Entsprechend klärte Karl-Josef Laumann auf und erinnert an die Zeit vor der Pflegeversicherung. „Bis 1995 gab es so gut wie keine Unterstützung bei der Pflege. Die Einführung der Pflegeversicherung war eine große Errungenschaft. Doch nicht jedem ist bewusst, dass die nur einen Teil der Kosten abdeckt. Hier müssen wir besser aufklären, sonst entstehen falsche Erwartungshaltungen.“

Die AfD nutzt diese Erwartungshaltung und richtet die Frustration der Bürger gegen die etablierten Parteien.

Für Karl-Josef Laumann ein Unding. Denn Lösungen gibt es aus dem rechten Lager nicht. Entsprechend hielt er in Gesprächen stet deutlich dagegen:

Am Sonntag AfD wählen und am Montag eine günstige ausländische Pflegekraft im Haus haben, das geht nicht zusammen!

So richtig klar wurde es in den vier Tagen allerdings nicht, weshalb die AfD so großen Anklang in den östlichen Bundesländern finden kann. Die niedrigen Löhne und die Pflegefinanzierung sind sicherlich ein Faktor. Als in einem Gespräch aber eine AfD-Anhängerin zunächst ihren Frust äußerte und anschließend am Parkplatz in einen nagelneuen SUV einstieg, blieb für den Minister aus NRW allerdings wenig Verständnis. Auch die sehr gut ausgebaute Infrastruktur und die schön restaurierten Städte und Dörfer zeugten von guten Lebensverhältnissen. So manch eine Stadt im Ruhrgebiet oder im Rheinland dürfte neidisch Richtung Osten blicken.

Insgesamt bleibt ein gemischter Eindruck nach den vier Tagen Wahlkampf.

Die Lebensverhältnisse in Brandenburg und Sachsen unterscheiden sich nicht großartig von denen in anderen Bundesländern. Auch dort ist Angst vor Altersarmut gegenwärtig, die Löhne nicht immer berauschend und die Finanzierung der Pflege ein Thema. Und doch ist die Stimmung im Land eine andere. Karl-Josef Laumann zieht deshalb als Fazit: „Ob im Westen oder im Osten, Politiker müssen sich um die Anliegen der Menschen zu kümmern. Wenn die CDU die Partei der Kümmerer bleibt, werden wir auch wieder die AfD zurückdrängen.“

*Auf der Tour durch Sachsen wurde Karl-Josef Laumann von einer Redakteurin des Spiegels begleitet. Im aktuellen Heft findet sich ein Artikel zur Pflegepolitik und den Begegnungen von Karl-Josef Laumann. Den Artikel findet Ihr hier:
https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/pflege-in-deutschland-so-hoch-sind-die-kosten-fuer-pflegeheime-a-1282249.html

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