Am 26. September entscheidet sich, ob die Union nach 16 erfolgreichen Regierungsjahren unter Angela Merkel erneut den Kanzler stellen wird. Armin Laschet, Kanzlerkandidat der Union und selbst CDA-Mitglied, will für eine christlich-soziale Politik kämpfen. Die Soziale Ordnung hat ihn gefragt, warum es auch 2021 wieder gute Gründe für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gibt, CDU zu wählen.

Soziale Ordnung: Wie spiegelt sich die Bedeutung der CDA im Regierungsprogramm der CDU wider?
Armin Laschet: Der Sozialflügel der CDU prägt die Programmatik unserer Partei stark, nicht zuletzt, da die Christliche Soziallehre ein Eckpfeiler der Sozialen Marktwirtschaft ist. Das zeigt sich besonders am Wohlstandskapitel unseres Regierungsprogramms. Wir bringen nachhaltiges Wachstum, Klimaschutz und soziale Sicherheit miteinander in Einklang.
Viele CDA-Positionen finden sich darüber hinaus im Kapitel „Neue Fairness und soziale Sicherheit" wieder, beispielsweise die Mitnahme von betrieblicher Altersvorsorge beim Jobwechsel.

Laut Regierungsprogramm soll Deutschland bis 2045 zum klimaneutralen Industrieland werden. Was zeichnet das CDU-Konzept zur Bewältigung des Klimawandels aus? Was kommt dabei auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu?
Unser Ziel ist: Stark aus der Krise kommen und eine neue Dynamik schaffen, die Wirtschaft und Klimaschutz zusammendenkt und voranbringt. Deutschland soll weiter Industrieland bleiben - in Zukunft klimaneutral. Hochqualifizierte Arbeitsplätze werden so erhalten und neue geschaffen. Das wollen wir gemeinsam mit den Sozialpartnern und ohne Überforderung der Verbraucher erreichen. Wir setzen dabei vor allem auf Anreize, neue Technologien und Innovationen.

Die Soziale Marktwirtschaft ist für uns untrennbar mit Sozialpartnerschaft verbunden. Wir sorgen uns, dass immer weniger Menschen durch einen Betriebsrat vertreten und nach Tarif bezahlt werden. Wie wollen Sie die Tarifbindung und die Mitbestimmung stärken?
Sozialpartnerschaft, Tarifautonomie und Mitbestimmung haben wesentlich dazu beigetragen, dass Deutschland eine weltweit führende Industrienation geworden ist. Wir haben großes Vertrauen in die Sozialpartnerschaft. Wir wollen zum Beispiel die Allgemeinverbindlichkeitserklärung von Tarifverträgen stärken. Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur Erhöhung der Tarifgeltung in Branchen mit geringer Tarifbindung.

Unser duales Ausbildungssystem gilt weltweit als Erfolgsmodell und Wettbewerbsvorteil für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Obwohl mit dem Rettungsschirm für die Ausbildung viele Ausbildungsplätze gerettet werden konnten, hat Corona den Ausbildungsmarkt hart getroffen. Die Anzahl der Azubis ist erstmals unter die Marke von 500.000 gefallen. Wie können wir die Ausbildung für Unternehmen und Auszubildende attraktiver machen?
Junge Leute sollen die freie Wahl haben, ihren Interessen und Begabungen nachzugehen, ob durch eine berufliche Ausbildung oder ein Studium. Denn Sie haben völlig recht: Wir werden um unser duales System weltweit beneidet. Eine Karriere in der beruflichen Bildung muss für jeden erkennbar eine gleichwertige Alternative zum Studium sein. Wir müssen der Ausbildung junger Menschen als Facharbeiter und Handwerker mehr politische Aufmerksamkeit geben, auch um dem Fachkräftemangel zu begegnen.

Es sind weiterhin 2,6 Millionen Menschen arbeitslos in Deutschland, rund 1 Million von ihnen länger als ein Jahr. Was will die CDU tun, um sie bei ihrem Weg zurück in den Arbeitsmarkt zu unterstützen?
Wir starten eine Offensive zur beruflichen Aus- und Weiterbildung in der Grundsicherung für Arbeitsuchende - für mehr Sprachkompetenzen und um eine anschließende Ausbildung zu ermöglichen. Wir schaffen Angebote, damit die Betroffenen wieder für vollumfänglich für ihren Lebensunterhalt sorgen können. Qualifizierungsmaßnahmen sind wichtig, sie bieten nachhaltige Perspektiven und sind daher einer schnellen Vermittlung in eine Helfertätigkeit vorzuziehen.

Viele Menschen sorgen sich davor, dass ihre Rente später nicht reichen könnte, um ihren Lebensstandard zu halten. Welche Reformen sollten in der nächsten Legislaturperiode mit Blick auf die Alterssicherung unbedingt umgesetzt werden?
Unser Grundsatz ist: Wer sein Leben lang gearbeitet hat, muss auch im Alter von seiner Rente gut leben können. Wir stehen für eine zukunftsfeste Alterssicherung auf drei Säulen: der gesetzlichen Rentenversicherung, der betrieblichen und der privaten Vorsorge. Die gesetzliche Rentenversicherung wird dabei für die meisten Menschen die zentrale Säule bleiben. Wir wollen ein Rentenrecht, das Generationengerechtigkeit sichert und Leistungen sowie Lasten fair und nachvollziehbar verteilt. Darüber hinaus sollten freiwillige Beiträge in der gesetzlichen Rentenversicherung zugelassen und die Erwerbsminderungsrente weiter verbessert werden. Ferner wollen wir einen Neustart bei der privaten, staatlich geförderten Altersvorsorge. Wir wollen sie effizienter, transparenter und dadurch attraktiver und einfacher machen.

Wie können wir Familien dabei unterstützen, sich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen?
Der Wunsch nach einem Eigenheim darf nicht nur ein Traum sein. Das Rezept für mehr Wohnraum sind nicht Verbote und Enteignung, sondern Bauen, Bauen, Bauen. Familien sind die starke Mitte unserer Gesellschaft, weshalb wir sie besonders beim Erwerb der eigenen vier Wände unterstützen wollen. Dazu sollten Darlehen, Tilgungszuschüsse oder Zinsverbilligungen nach Anzahl der Kinder gestaffelt werden. Wir wollen einen Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer, wenn Familien erstmalig eine Immobilie kaufen und darin wohnen. Den Ländern werden wir ermöglichen, einen Freibetrag von 250.000 Euro pro Erwachsenen plus 100.000 Euro pro Kind zu einzuräumen.

Die Familiengründung ist für viele junge Paare ein Schritt, der mit großer Unsicherheit verbunden ist. Was plant die CDU, um Familien mit kleinen Kindern zu unterstützen?
Für unsere Familienpolitik gilt: Familien sollen ihre kostbare Zeit miteinander verbringen können - und nicht mit unnötiger Bürokratie.
Wir wollen das Elterngeld stärken und Familienleistungen maximal vereinfachen. Den Kinderfreibetrag und das Kindergeld haben wir bereits zum 1. Januar deutlich erhöht. Außerdem wollen wir gerade Väter ermutigen, das Elterngeld stärker als bisher zu nutzen.

Mit der Verabschiedung der Pflegereform kurz vor Ende der Legislaturperiode werden künftig mehr Pflegekräfte nach Tarif bezahlt und Heimbewohner mit zunehmender Länge ihres Heimaufenthalt bei den Eigenanteilen entlastet. Was sind die nächsten Schritte, um für noch bessere Rahmenbedingungen für professionelle Pflegekräfte und die Pflege von zu Hause zu sorgen?
Unser Anspruch ist: Versorgung muss unabhängig von Alter, Geldbeutel und Wohnort auf hohem qualitativem Niveau gewährleistet sein. Daran arbeiten wir weiter, indem wir viele verschiedene Maßnahmen bündeln, die Chancen der Digitalisierung nutzen und die Pflegeversicherung weiterentwickeln. Auch eine noch bessere Ausbildung von Pflegerinnen und Pflegern sowie eine bessere Bezahlung zählen zu unseren Zielen.

Warum sollten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei der kommenden Bundestagswahl wieder CDU wählen?
Wir sind die einzige Partei in Deutschland, die die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durchsetzungsstark vertritt. Die SPD hat sich schon längst von dieser Gruppe abgewandt. Bei den Grünen habe ich den Eindruck, dass sie Arbeitsplätze und Klimaschutz als Gegensätze verstehen. Wir wollen beides, Klimaschutz und moderne Industriearbeitsplätze. Die Energiewende muss auch sozial sein.

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