Der CDU-Bundestagsabgeordnete Hermann Kues, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, ist Vorsitzender der Ludwig-Windthorst- Stiftung. In diesem Beitrag erläutert er, warum es sich lohnt, sich mit dem großen Zentrums-Politiker zu beschäftigen.

In diesem Jahr jährt sich zum 200. Mal der Geburtstag Ludwig Windthorsts. Der Historiker Golo Mann bezeichnet ihn als den „genialsten Parlamentarier, den Deutschland je hatte“. Er hat in Deutschland entscheidend dazu beigetragen, dass das Parlament, die demokratisch gewählte Volksvertretung, sich als wichtiges Verfassungsorgan etablieren konnte. Seine Sternstunden hatte Windthorst im Parlament, wenn er gegen die Bismarck’schen Sondergesetze im Kulturkampf wetterte und Bismarcks Schmähreden geschickt konterte. Die beiden wurden zu erbitterten Kontrahenten. Ihre parlamentarische Dauerfehde entzückte die Karikaturisten: Hier der übergroße, martialisch-hünenhafte Reichskanzler Bismarck, dort der schmale, zivile, gerade mal 1,50 m kleine Zentrumsführer, der fast erblindet war. Die Auseinandersetzungen mit Bismarck im Kulturkampf machten Windthorst klar: Nur gleiche Rechte für alle schützen den Einzelnen vor dem übermächtigen Staat.

Sein Leben in Kürze: Geboren am 17. Januar 1812 in Ostercappeln, nach dem Abitur 1830 in Osnabrück studierte er Jura. Zunächst Anwalt, dann Richter, zog er 1849 in die Zweite Kammer der Hannoverschen Ständeversammlung ein. Er wurde Präsident der Kammer. Zwei Mal berief ihn König Georg V. zum Justizminister. Beides erregte Aufmerksamkeit, denn Windthorst war der erste Katholik, der solch herausragende Ämter im Königreich Hannover bekleidete.

Dem Gewissen verpflichtet

Nach Auflösung des Königreichs Hannover bewarb sich Windthorst um Mandate für das Preußische Abgeordnetenhaus und den Reichstag. Er wurde der parlamentarische Führer der Zentrumspartei. Dabei trennte er klar zwischen religiöser Treue zu Kirche und Papst und der politischen Entscheidungsfreiheit von Katholiken in Sachfragen. So war er davon überzeugt, dass in allen „weltlichen“ politischen Fragen er ausschließlich seinem Gewissen und keiner anderen Instanz verpflichtet sei.

Windthorst entwickelte ein außerordentliches Gespür für die Gerechtigkeit Minderheiten gegenüber – seien es nun Juden, Polen, Elsässer oder Sozialisten. Immer stärker wurde ihm bewusst, dass jeder Mensch unangreifbare Rechte genießt, die von keiner Staatsgewalt infrage gestellt werden dürfen.

Ich werde das Recht, welches ich für die Katholiken und für die katholische Kirche und deren Diener in Anspruch nehme, jederzeit vertreten, auch für die Protestanten und nicht minder für die Juden. Ich will eben das Recht für alle

so Windthorst im Jahr 1880. Die gleiche Einstellung ließ ihn gegen den aufkommenden Antisemitismus eindeutig Stellung beziehen und für eine überkonfessionelle Zusammenarbeit plädieren. So hat Windthorst als Christ im Parlament Menschen- und Bürgerrechte auf der Basis der christlichen Soziallehre verteidigt.

Zu Unrecht ist Windthorst in Vergessenheit geraten. Mit seinem Engagement als christlicher Politiker hat er Vorbildfunktion für uns heute, denn wir brauchen Menschen, die sich aus einer christlichen Grundhaltung verantwortlich fühlen und wach bleiben.

Weitere spannende Informationen über Erzberger finden Sie auch auf der Internetseite www.cdu-geschichte.de.

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag