Eine hitzige Diskussion über Managergehälter bestimmte in den letzten Monaten viele Schlagzeilen. Eine Einordnung von David Schumann, CDA-Referent für Gesellschaftspolitik.

Der Ausgangspunkt war VW: Hohe Vorstands-Boni mitten im Dieselskandal. Luxuspension und üppige Sachleistungen für Ex-VW Chef Winterkorn. Die absurd hohe Abfindung von über 12 Millionen Euro für die erfolglose Vorständin und SPD-Genossin Hohmann-Dennhardt. Die Debatte über diese offensichtlich aus den Fugen geratene Unternehmenspraxis weitete sich zu einer Grundsatzdiskussion über die Managervergütung insgesamt aus. Und die ist auch notwendig. Denn die Vorkommnisse in manchen Konzernen untergraben das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Soziale Marktwirtschaft.

Diese Gefahr hat auch CDA-Chef Karl-Josef Laumann in der Debatte angesprochen: „Von den Managern erwarte ich mehr Verantwortungsbewusstsein. Jahresgehälter und Abfindungen, die ein einfacher Mitarbeiter in Jahrzehnten nicht verdienen kann, gefährden den sozialen Frieden im Unternehmen und im Land.“ Aber zur Wahrheit gehört auch, dass sich kein Vorstand das Gehalt selbst festlegt. Anteilseigner und Arbeitnehmervertreter entscheiden darüber im Aufsichtsrat. Laumann kritisiert deshalb auch das Verhalten der Kontrollorgane. „Diese haben versagt, und da nehme ich als IG-Metall-Mitglied ganz deutlich die Gewerkschaften nicht aus“.

SPD-Wahlkampf

Die SPD versucht nun, dieses Thema für ihren Wahlkampf zu nutzen. Sie verschweigt dabei, dass die Sozialdemokraten gerade bei VW gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern den Hebel in der Hand haben, die Gehaltsspirale zu stoppen. SPD-Ministerpräsident Weil und sein Wirtschaftsminister haben bei jedem Millionengehalt und jeder Abfindung immer brav mitgestimmt. Von dieser Verantwortung wollen sie jetzt jedoch nichts mehr wissen.

Lösungsansätze

Die Sozialpartnerschaft ist ein Grundpfeiler der Sozialen Marktwirtschaft. Deshalb sollten Löhne nicht von der Politik bestimmt, sondern von Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf Augenhöhe ausgehandelt werden. Nur wo das nicht gelingt, muss der Staat eingreifen. Das hat er bereits im Niedriglohnbereich durch die Einführung des Mindestlohns getan. Jetzt ist es notwendig, auch im extremen Hochlohnbereich etwas zu tun. Der CDA-Bundesvorsitzende hat sich für eine Begrenzung der steuerlichen Absetzungsfähigkeit der Managergehälter ausgesprochen. Die Aufsichtsräte könnten so weiterhin frei über die Höhe der Gehälter entscheiden, aber die Gesellschaft würde sie ab einer gewissen Höhe nicht mehr subventionieren. Außerdem sei mehr Öffentlichkeit bei der Verabschiedung der Spitzengehälter nötig, sagt Laumann. Dazu müsse die Forderung ins Gesetz gegossen werden, die Gehälter auf Vorschlag des Aufsichtsrates in der Hauptversammlung der Aktionäre verabschieden zu lassen – so wie Union und SPD es auf Drängen der CDU auch im Koalitionsvertrag verankert haben. Damit könnten auch diejenigen über die Gehälter entscheiden, die sie am Ende bezahlen müssen: Die Aktionäre.

Maß und Mitte finden

Zugleich muss aber die deutsche Wirtschaftselite wieder zu Maß und Mitte zurückfinden. Auch der Vorstandsvorsitzende eines Dax-Konzerns leistet keinen Beitrag zum Unternehmenserfolg, der das 200-fache des Gehalts eines Facharbeiters im Konzern rechtfertigen würde. Das gilt auch für das noch größere Übel, dass offensichtlich gescheiterte Manager üppige Abfindungen nachgeworfen bekommen. In der Unternehmenskultur der Konzerne ist eine neue Austarierung von Leistung, Haftung und Gehalt notwendig.

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