Seit März dieses Jahres begleitet uns die globale Corona-Pandemie im Alltag. Deutschland hat – im Vergleich zu anderen Staaten – bisher die Krise gut gemeistert - wirtschaftlich wie sozial. Dennoch sollten wir uns nicht in falscher Sicherheit wiegen. Die Corona-Regeln müssen weiter konsequent eingehalten werden. Eine besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang auch dem infektionsgerechten Lüften zu, sagt Uwe Schummer.

Mit Abstand, Hygiene und Alltagsmasken sind wir im Vergleich zu fast allen anderen Staaten gut durch die Pandemie gekommen. Die Infektionsgefahr ist außen geringer als in geschlossenen Räumen. Deshalb ist im Winter das Lüften geschlossener Räume so wichtig. Zu der bisherigen A.H.A-Regel kommt das ‚L‘ hinzu.

Und es gibt weitere Gefahren. So ist in der Fleischindustrie aufgrund der heruntergekühlten Temperaturen, geschlossener Räume, körperlich harter Arbeit und zu geringer Frischluftzufuhr in der Klimatechnik das Infektionsrisiko viermal höher als im uns bekannten Alltag, in dem die 1,5 Meter-Abstandsregel gilt. Laut einer Studie kann ein Infizierter das Virus in diesem Umfeld über acht Meter hinweg weiterverbreiten.

Von daher gibt die vor kurzem veröffentlichte „Empfehlung der Bundesregierung zum infektionsgerechten Lüften“ Orientierung für die kommenden kälteren Wochen. Diese wurde von einem Expertenkreis der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sowie dem Robert Koch-Institut – in Zusammenarbeit mit dem Bundesarbeits- und dem Bundesgesundheitsministerium – erstellt. Ihr liegt die Erkenntnis zugrunde, dass die Hauptrisikofaktoren in der Pandemie Tröpfchenübertragungen und Aerosole darstellen.

Empfohlen wird:

  • Regelmäßiges Lüften über Fenster und Türen;
  • die Anpassung raumlufttechnischer Anlagen. Weniger Umluft, mehr Frischluft. Regelmäßiger Austausch von Filtern, Optimierung, mobile Klimatechnik, evtl. UVC-Bestrahlung zur Desinfektion. 43 Prozent der 750 000 Anlagen, die in wirtschaftlich genutzten Räumen sind, werden als Umluft- oder Mischluft betrieben. Je kleiner die Frischluftmenge, desto höher die luftgetragene Virenlast;
  • dass die Unfallversicherungsträger die Einhaltung des Rechts prüfen und beraten und Verstöße geahndet werden sollen. Rechtliche Grundlage der technischen Empfehlung ist das Arbeitsschutzgesetz. Dieses verpflichtet den Arbeitgeber, am Arbeitsplatz eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen, aus der sich alle erforderlichen Maßnahmen zur Arbeitssicherheit und zum Gesundheitsschutz ableiten. Er muss die Maßnahmen auf seine Wirksamkeit hin prüfen und sie an neue Entwicklungen und Erkenntnisse anpassen.

Gut ist ebenso, dass das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ein Förderprogramm auflegt, mit dem sie mit einem Zuschuss von bis zu 40 Prozent Raumlufttechnik-Anlagen fördert, die in öffentlichen Gebäuden und Versammlungsräumen zum Infektionsschutz installiert oder optimiert werden.

Die nächste Zeit wird entscheidend sein für die Bekämpfung der Pandemie. Wir sollten unseren hart erkämpften Vorsprung der vergangenen Monate bei der Eindämmung von Corona nicht verspielen

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