Während der Corona-Krise wurden Millionen Beschäftigte ins Homeoffice geschickt. Für die deutschen Unternehmen und Arbeitnehmer war das ein Stresstest. Viele waren nicht darauf vorbereitet. Kommunikation und Arbeitsprozesse mussten in kurzer Zeit digitalisiert werden. In vielen Betrieben fehlte es schon an ausreichend Laptops, von Serverzugängen, Bildschirmen und Telefonen ganz zu schweigen. Die SO fragt, welche Schlussfolgerungen daraus die Politik zieht?

Der plötzliche Übergang vom Büro ins Homeoffice war holprig: Die Beschäftigten mussten sich arrangieren. Gearbeitet wurde oft am Küchentisch mit dem eigenen Laptop, Kontakt mit den Kollegen gab es nur per Video. Für viele war das eine Selbstverständlichkeit, denn gerade im Lockdown war es ein Privileg, von zuhause aus arbeiten zu dürfen. Kontakte und damit das eigene Infektionsrisiko konnten so reduziert werden. Die positive Nachricht ist, trotz dieser holprigen Bedingungen empfindet mehr als jeder zweite Beschäftigte die Arbeit im Homeoffice als Entlastung, so eine aktuelle Studie der DAK. Arbeitnehmer arbeiten nach eigener Angabe zuhause produktiver (59 Prozent), schätzen den Zeitgewinn durch den Wegfall des Arbeitswegs (68 Prozent) und die Möglichkeit, die Arbeit besser über den Tag verteilen zu können (65 Prozent).

Wie positiv die Arbeitnehmer Homeoffice erleben, hängt jedoch auch von der eigenen Wohnsituation ab. Gerade Arbeitnehmer, die nicht in den Städten, sondern im Umland wohnen, sparen sich nicht nur lange Fahrtwege, sondern haben auch genug Platz für ein Arbeitszimmer. Anders sieht das bei den Städtern aus. Für Arbeiten und Leben sind Stadtwohnungen meistens zu klein – Familien mit Kindern leben oft auf unter 30 qm pro Person. Die hohen Stadtmieten machen einen Umzug in eine größere Wohnung oft unerschwinglich.

Neue Fans des Homeoffice sind die Unternehmen: 89 Prozent sind inzwischen davon überzeugt, dass aus der Heimarbeit keine Nachteile entstehen. Entgegen ihrer Erwartungen haben die Arbeitsergebnisse nicht gelitten, im Schnitt haben viele Beschäftigte sogar länger gearbeitet. Was diese Erkenntnis für die Zukunft bedeuten könnte, zeigen Äußerungen des Tech-Giganten Facebook. Hier denkt man laut darüber nach, dass künftig nur noch die Hälfte der Mitarbeiter aus dem Büro arbeiten soll. Das ist nicht verwunderlich: Büroflächen sind teuer, gerade in attraktiven Großstädten. Kosten, die Facebook einsparen möchte. „Corona hat die Debatte um Homeoffice von den Füßen auf den Kopf gestellt,“ sagt Christian Bäumler, erster stellvertretender CDA-Bundesvorsitzender. „Seit Jahren diskutieren wir auch in der CDA darüber, ob es nicht ein Recht auf Homeoffice bräuchte. Jetzt müssen wir fragen: Braucht es nicht auch ein Recht auf einen betrieblichen Arbeitsplatz?“

Ein entscheidender Schritt wird sein, Homeoffice im Sinne der Arbeitnehmer zu gestalten. In den Unternehmen mit Betriebsrat oder Tarifbindung ist das bereits so. Hier gibt es klare Regeln für Telearbeit und mobiles Arbeiten. Für die anderen müssen einige Punkte geklärt werden. Ganz oben steht dabei die Frage nach den Kosten. Wer zahlt eigentlich die Miete und die Einrichtung des häuslichen Arbeitsplatzes, den Strom, das Wasser und die Internetleitung? Derzeit ist es oft der Arbeitnehmer selbst. Politisch diskutiert man gerade die steuerliche Absetzbarkeit, dann würde die Gemeinschaft der Steuerzahler die Kosten tragen. „Das kann für die CDA aber nicht der richtige Weg sein“, sagt Hauptgeschäftsführerin Eva Rindfleisch. „Wenn ein Arbeitnehmer mehrere Tage die Woche von zuhause arbeiten soll, dann ist klar, dass der Arbeitgeber für die Kosten aufkommen muss.“

Aber auch die Frage des Arbeitsschutzes muss geklärt werden. In einer Notsituation wie im März kann auch der Laptop am Küchentisch ein Arbeitsplatz sein, aber langfristig und regelmäßig macht er körperlich krank. Im Büro muss der Arbeitgeber für einen gesunden Arbeitsplatz sorgen, zuhause hält er sich derzeit raus. Und nicht nur der Rücken kann im Homeoffice zu Schaden kommen, sondern auch die Psyche. Etwa jeder Dritte Beschäftigte im Homeoffice vermisst die klare Trennung zwischen Beruf und Privatleben. Wer jedoch ständig erreichbar sein muss – oder will – der kommt schlechter zur Ruhe und leidet häufiger unter Stresssymptomen.

Das bestätigt auch der CDAler und Arbeitsschutzexperte Peter Krauss-Hoffmann: „Wir wissen, dass zu den häufigsten Gründen für Arbeitsunfähigkeit Rückenprobleme und psychische Erkrankungen zählen. Um die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen, haben wir klare Regeln im Arbeitsschutz- und Arbeitszeitgesetz – zum Beispiel die Beurteilung körperlicher und psychischer Belastungen und vorgeschriebene Ruhezeiten.“ Klare Regeln braucht es jetzt auch fürs Homeoffice.

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