Altersvorsorge ist ein Thema, das für viele Menschen weit weg erscheint. Um nicht beim Renteneintritt überrascht zu werden und in Altersarmut zu verfallen, ist es wichtig, früh und ausgewogen für das Leben im Ruhestand vorzusorgen. Tobias Zech berichtet von der digitalen Rentenübersicht.

Die Variationen der Altersvorsorgeprodukte sind quasi grenzenlos: Neben der Deutschen Rentenversicherung, Versorgungswerken und Beamtenpensionen existieren diverse betriebliche und private Vorsorgemöglichkeiten. Somit geht dem einen oder anderen schnell der Überblick über den tatsächlichen Stand der eigenen Altersvorsorgeleistungen insgesamt verloren. Die Versorgungseinrichtungen geben auch nur teilweise unabhängig voneinander jährliche Standmitteilungen heraus.

Deshalb hat der Bundestag jetzt ein Gesetz zur Verbesserung der Transparenz in der Alterssicherung beschlossen. Um Klarheit zu schaffen, und damit der bunte Strauß an Vorsorgeleistungen überschaubar wird, der sich im Laufe eines Arbeitslebens anhäufen kann, führen wir die digitale Rentenübersicht ein. Ziel ist es, diesen zu bündeln und übersichtlich, vergleichbar und digital darzustellen. So soll Fehleinschätzungen über die eigene Vorsorge vorgebeugt werden. Denn nur wer gut informiert ist, kann gezielt vorsorgen.

Elemente der digitalen Rentenübersicht

Die digitale Rentenübersicht besteht organisatorisch aus drei Elementen: Im Zentrum ist die „Zentralen Stelle für die Digitale Rentenübersicht“ (ZfDR), welche die inhaltliche und technische Durchführung des Verfahrens übernimmt. Sie wird unter dem Dach der Deutschen Rentenversicherung Bund angesiedelt, da diese die nötige Expertise besitzt. Der ZfDR stehen zur Unterstützung und um die notwendigen Vorgaben zu machen ein Steuerungsgremium und Fachbeiräte zur Seite.

Die digitale Rentenübersicht ist für alle Bürger freiwillig und ausschließlich online abrufbar. Zunächst ist nicht geplant, die jährlichen Auszüge über die Höhe der Rente (Standmitteilungen) abzuschaffen, die bisher per Post mitgeteilt werden. Zum Abrufen der Daten müssen sich die Nutzer mit ihrer Steuer-ID und dem Personalausweis identifizieren. Die bestehenden Rentenansprüche (Anwartschaften) werden dann in Echtzeit bei den verschiedenen Versorgungseinrichtungen abgefragt und nur auf ausdrücklichen Wunsch bei der ZfDR gespeichert. Dabei werden lediglich die Werte aus den bereits bestehenden Standmitteilungen der Vorsorgeeinrichtungen abgerufen. Die in der digitalen Rentenübersicht erstellte Übersicht ist also nicht tagesaktuell, sondern spiegelt nur die letzte Standmitteilung wieder. Schließlich kann der Nutzer die abgerufenen Daten auf ein mobiles Endgerät laden, um sie abzulegen oder gegebenenfalls externe Beratung einzuholen.

Das Gesetz regelt die Ausgestaltung der Rentenübersicht zunächst nur schemenhaft. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BAMS) wird ermächtigt, die detaillierten Punkte durch Verordnungen im Nachhinein zu regeln. Dadurch kann das BMAS individueller agieren.

Die digitale Rentenübersicht muss weiterentwickelt werden

Das Gesetz tritt zum 1. Januar 2021 in Kraft. Die folgende Entwicklungsphase ist sehr ambitioniert, da bereits zum 1. Oktober 2023 der Regelbetrieb aufgenommen werden soll. Nach Erlass des Gesetzes befindet sich die digitale Rentenübersicht an einem Scheideweg. Es liegt am BAMS und dem Steuerungsgremium, aus ihr ein Erfolgsmodell zu machen. Dazu ist es unverzichtbar, die digitale Rentenübersicht nach einer Anlaufphase möglichst schnell weiter zu entwickeln und auszubauen. Die mitgeteilten Daten müssen vergleichbar sein und möglichst viele Versorgungseinrichtungen wie die Beamtenversorgung und Versorgungswerke angebunden werden. Nur so kann den Nutzern ein komplettes und realistisches Bild über seine Vorsorgeleistungen gegeben werden. Da die Altersvorsorge bei vielen Menschen nicht mehr allein aus der klassischen Rente besteht, müssen langfristig weitere individuelle Altersvorsorgeprodukte wie Fondsparpläne oder vermietete Immobilien eingebunden werden. Auch ist es erforderlich, dass sich die Länder mit der Beamtenversorgung anbinden.

Das Gesetz ist erst ein Anfang. Nur wenn den Nutzern ein umfassender Überblick gegeben werden kann und die Daten schnell und einfach weiterverarbeitet werden können, wird die digitale Rentenübersicht ein Erfolg.

Im Gesetz werden auch Vorschriften für die Sozialwahlen und die Selbstverwaltung der Sozialversicherung modernisiert. So soll der Anteil der Frauen in den Gremien durch Vorgaben für die Listenaufstellung erhöht werden. Auch schafft das Gesetz mehr Transparenz bei der Vergabe von Rehabilitationsleistungen, und die Zulassung und Inanspruchnahme von Rehabilitationseinrichtungen wird europarechtskonform neu geregelt.

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