Jährlich beginnen in ganz Deutschland knapp eine halbe Million Azubis zum Herbstanfang ihre Ausbildungen. In diesem Jahr verhandelt zur gleichen Zeit die Große Koalition über Maßnahmen zur Stärkung der Dualen Ausbildung. Der Bundesvorsitzende der Jungen CDA, Gernot Nahrung, begleitet die Verhandlungen seit einigen Monaten. Hier erklärt er die Forderungen der jungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Zum neuen Ausbildungsjahr weht durch deutsche Zeitungen ein Hauch von Optimismus: Laut einer Umfrage der DIHK ist die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge in diesem Jahr wieder leicht gestiegen. Trotzdem bleiben zahlreiche Ausbildungsplätze unbesetzt. Knapp ein Drittel der von der DIHK befragten Unternehmen können nicht alle angebotenen Lehrstellen besetzen – fast jedes zehnte Unternehmen hat gar keine Bewerbungen erhalten. Unternehmen, die nicht offensiv auf dem Ausbildungsmarkt um Azubis buhlen, ziehen den Kürzeren.

Um die Attraktivität der Berufsausbildung insgesamt zu steigern, müssen Jugendlichen individuelle Zukunftsperspektiven aufgezeigt werden: Wie steht es um meine Übernahmechancen und die Jobsicherheit? Wie hoch ist meine Ausbildungsvergütung, mein späteres Einkommen und wie sehen meine Entwicklungsmöglichkeiten im Beruf aus? Gleichzeitig müssen ganz praktische Fragen vor dem Ausbildungsbeginn geklärt sein: Wie komme ich zum Betrieb und zur Berufsschule, wenn diese weiter weg sind? Wie bezahle ich eine eigene Wohnung, wenn meine Wunsch-Ausbildung in einer ganz anderen Region ist? Komme ich mit meiner Vergütung über die Runden?

Als Junge CDA wollen wir Azubis mehr Planungssicherheit und Unabhängigkeit ermöglichen.

Mit der Novelle des Berufsbildungsgesetz (BBiG) wird die Mindestausbildungsvergütung kommen – zwar hätte es aus unserer Sicht etwas mehr sein dürfen, aber der gefundene Kompromiss der Sozialpartner muss jetzt vom Deutschen Bundestag zügig verabschiedet werden. Wir fordern im parlamentarischen Verfahren auch weitere Verbesserungen in das Gesetz aufzunehmen: etwa einen unbefristeten Vertrag bei Übernahme und eine Ankündigungsfrist bei Nicht-Übernahme, um jungen Menschen mehr Planungssicherheit beim Übergang von der Ausbildung in den Beruf zu ermöglichen.

Zur Planungssicherheit gehört auch zu wissen, dass die eigene Qualifikation im schnell voranschreitenden digitalen Wandel nicht komplett entwertet wird. Mit der Modernisierung des BBiG werden künftig bei der Festlegung der erforderlichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten für die jeweiligen Ausbildungsgänge insbesondere die fortschreitende technologische und digitale Entwicklung beachtet. Gerade junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können so von Anfang an einen wichtigen Beitrag zur Modernisierung und nachhaltigen Entwicklung von Unternehmen leisten. Damit dies in der Praxis auch gelingen kann, muss zusätzlich in Berufsschulen und überbetriebliche Ausbildungsstätten investiert werden, damit die Ausstattung dort auch auf dem neusten Stand ist. Gleichzeitig wird der Stellenwert von Weiterbildungsmöglichkeiten während des Berufslebens deutlich ansteigen. Um die Berufsausbildung attraktiver zu gestalten, müssen auch flankierende Maßnahmen ergriffen werden, z.B. vergünstigte ÖPNV-Tickets, Rabatte und Ermäßigungen oder spezielle Wohnangebote. Wir fordern daher eine Initiative für bezahlbaren Wohnraum für Auszubildende – vor allem in Ballungsgebieten. Die Einrichtung von Azubi-Wohnheimen mag rechtlich und organisatorisch kompliziert sein, Vorzeigeprojekte zeigen aber, dass sie möglich ist.

Um die Mobilität zwischen Wohnort und Ausbildungsbetrieb bzw. Berufsschule zu verbessern, haben bereits einige Bundesländer das sogenannte Azubi-Ticket eingeführt. Wir begrüßen diesen Schritt ausdrücklich und setzen uns für eine flächendeckende Einführung eines solchen vergünstigten Tickets ein. Das Bundesland Hessen geht hier sogar noch einen Schritt weiter und hat eine Azubi- Card eingeführt, mit der Auszubildende zahlreiche Rabatte in Museen, Geschäften und zu Events erhalten.

Mit den richtigen flankierenden Maßnahmen steigen nicht nur die Anreize, sich für eine Ausbildung zu entscheiden. Junge Menschen am Anfang ihres Berufslebens werden entlastet und stehen so auch schneller finanziell auf eigenen Beinen. Das würde auch helfen die Lücke zwischen den rund 200.000 unbesetzten Lehrstellen und den 170.000 Jugendlichen, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind, auszugleichen.

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