Die Bekämpfung der akuten Wohnungsnot bedarf vielfältiger Maßnahmen. Einige haben wir innerhalb der Koalition bereits in Angriff genommen: Mietrechtsanpassungsgesetz, Sonder-AfA für den Mietwohnungsneubau und Baukindergeld. Darüber hinaus müssen wir Rahmenbedingungen schaffen, die den Wohnungsneubau beschleunigen.

Einen besonderen Blick sollten wir dabei auf die Förderung kleiner und mittlerer Wohngenossenschaften (z.B. mit ca. 50-100 Mitgliedern) richten, die einen zielführenden und sinnvollen Beitrag zur Bekämpfung der Wohnungsnot leisten können. Der Genossenschaftsgedanke ist in Deutschland durch genossenschaftliche Kreditinstitute und Raiffeisengenossenschaften gesellschaftlich tief verwurzelt. Gerade kleinere, aus bürgerlichem Engagement gegründete Wohnungsgenossenschaften können den durch Solidarität und Subsidiarität geprägten Genossenschaftsgedanken gut verwirklichen. Sie leben insbesondere christdemokratische Grundwerte wie Selbstverantwortung, Selbstverwaltung und Selbsthilfe, die deshalb mit unserem Grundsatzprogramm übereinstimmen.

Wohnungsgenossenschaften bieten ideale Anknüpfungspunkte zur Förderung von innovativem und ökologischem Bauen. So können durch zentrale Energieversorgung das energetische Wohnen erleichtert sowie durch gemeinschaftliche Nutzung von z.B. Elektroautos/Ladestationen oder Haushaltsgeräten Ressourcen eingespart werden. Auch hinsichtlich sozialer Initiativen bieten Genossenschaften innovative Möglichkeiten: durch barrierefreie, altersgerechte Wohnungen unterschiedlicher Größe wird generationsübergreifendes Zusammenwohnen ermöglicht. Zusätzliche Angebote wie die Betreuung von Kindern oder Älteren und die Kooperation mit Anbietern "Betreuten Wohnens" sind möglich. Dadurch helfen Wohnungsgenossenschaften auch gegen Fehlallokationen auf dem Wohnungsmarkt: Senioren können sich bspw. nach dem Auszug der Kinder einfacher „verkleinern“, ohne ihr soziales Umfeld zu verlieren.

Ansatzpunkte für staatliche Unterstützungsmöglichkeiten

Zur Gründung einer Wohnungsgenossenschaft wird ein sicheres Finanzierungskonzept mit 20% Eigenkapital verlangt. Dieses ist für die Zielgruppe eine hohe Hürde. Hier ergeben sich für die Politik Unterstützungsmöglichkeiten auf verschiedenen Ebenen:

  • Kommunen könnten dieses Eigenkapital durch das Einbringen des Grundstücks zur Verfügung stellen und ggf. mit Vorgaben zur Art der Bebauung verbinden. Auch verwaltungsinterne Ressourcen zur Vermittlung bei der Grundstücksvergabe, sowie zur planerischen und informellen Unterstützung bei der Gründung könnte die Kommune zur Verfügung stellen.

  • Ein spezifisch zugeschnittenes Förderprogramm könnte als Ergänzung zu der Sozialen Wohnraumförderung aufgelegt werden. Dies könnte durch die Einrichtung einer KfW-Eigenkapitalförderung mit zinsgünstigen Darlehen für Neugründungen geschehen.

  • Rentenversicherungen könnten gezielt auf den Bedarf der Beitragszahler und Rentner zugeschnittene Wohnungen planen und dafür aus eigenem Vermögen das Startkapital zur Verfügung stellen.

  • Parallel zum Baukindergeld könnten Familien auch in der Finanzierung ihrer Genossenschaftsanteils unterstützt werden. Davon würden noch mehr Familien, auch mit kleinerem Einkommen, profitieren.

Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaften erfüllen einerseits die Wünsche der Bürger nach preisgünstigem, individuellem Wohnraum, Flexibilität und Sicherheit und tragen andererseits zur Stabilität und Ausgleich auf dem Wohnungsmarkt bei. Als subsidiär eigenverantwortliche Organisation fördern sie christlich-demokratische Grundwerte und stärken zugleich den sozialen Zusammenhalt. Wohnungsgenossenschaften stellen somit ein effektives Mittel zur Realisierung von preiswertem und stabilem Wohnen dar.

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