Die Corona-Pandemie führt uns erneut vor Augen, dass in Deutschland und anderswo globale Zusammenhänge und Lösungen zu wenig beachtet werden. Elmar Brok, Urgestein des Europäischen Parlaments und Vorsitzender der EUCDA, spricht sich hier gegen nationale Alleingänge und für mehr Europa aus.

Schon die Pest konnte nicht mit dem Schließen der Stadttore beseitigt werden. Auch Covid-19 ist global. Das heißt nicht, dass sich nicht jede Nation darum kümmern muss, durch individuelle Lösungen die Folgen der Pandemie im eigenen Land bestmöglich zu bekämpfen. Dieser Einsatz ist selbstverständlich und auch richtig. Dass es uns in Deutschland vergleichsweise gut gelungen ist, liegt auch an unserem leistungsfähigen, dezentralen Gesundheitssystem und dem Wettbewerb sowie der Kooperation zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Das zeigt, nationale Politik kann manche Symptome bekämpfen. Aber wir sollten uns nicht täuschen lassen: Eine effektive Lösung wird nur durch internationale Kooperation gelingen.

Wenn China schneller kooperiert hätte, hätte die WHO schneller und effektiver warnen und Maßnahmen ergreifen können. Wenn die Mitgliedsländer den Vorschlag der EU-Kommission vom Dezember, für Masken und Schutzausrüstungen zu sorgen, nicht erst Monate später angenommen hätten, wäre die Lage heute möglicherweise besser. Die Hotspots in Bergamo und Ischgl und die mangelnde grenzüberschreitende Kooperation bei der Eindämmung belegen, wohin nationale Alleingänge führen. Hätten sich vielleicht die Grenzschließungen, die teilweise Zerstörung von Lieferketten und die daraus resultierenden ökonomischen und sozialen Schäden vermeiden lassen?

Die Welt benötigt nun einen gemeinsamen Einsatz für die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen. Dazu gehören schnelle Zulassungen und vorsorglich ausgebaute Fabrikationsstätten in europäischer und globaler Kooperation, um zu vertretbaren Preisen armen und reichen Ländern gleichzeitig zu helfen. Und zwar trotz der Weigerung der Trump- Administration sich daran angemessen zu beteiligen. Bei HIV-Arzneien hat es mehr als zehn Jahre gedauert, bis sie in Afrika angewendet werden konnten. Das darf nicht wieder geschehen. Alles andere würde zu Massenmigration und dauerhaften Unfrieden führen.

75 Jahre nach dem II. Weltkrieg und 70 Jahre nachdem der Schuman-Plan Deutschland wieder als gleich berechtigten Partner akzeptiert hat, sollten wir Deutschen uns nicht auf das Nationale zurückziehen. Einen Exit aus der Krise gibt es nur im Rahmen der EU. Es war daher wichtig, dass Merkel mit Macron einen gemeinsamen Vorschlag zur Ankurbelung der europäischen Konjunktur gemacht hat. Er bekräftigt nicht nur europäische Solidarität, sondern ist auch in unserem nationalen Interesse.

Klimawandel, Migration,Währungskrisen und Terrorismus – hier sind Ursachen und Lösungsebene nicht national, sondern global.

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