Diese Frage bildete den Auftakt einer interaktiven Veranstaltungsreihe der CDA. Gemeinsam mit Elke Hannack (stellv. DGB und CDA Bundesvorsitzende) und Gernot Nahrung (Bundesvorsitzender der Jungen CDA) diskutierten die Teilnehmenden über die Situation auf dem Ausbildungsmarkt und welche Maßnahmen nun getroffen werden müssen. Für die "Mehrwert" hat Gernot Nahrung die Positionen der Jungen CDA zusammengefasst.

Der Ausbildungsmarkt hat durch die Corona-Pandemie im Jahr 2020 deutliche Einbußen hinnehmen müssen. Die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge sank um 11% auf 467.500 und lag damit erstmals unter der 500.000-Marke. Damit ist der negative Corona-Effekt auf den Ausbildungsmarkt stärker als während der Finanzkrise 2008/2009. Damals war die Zahl der geschlossenen Ausbildungsverträge um 8,4% zurückgegangen.

Sorgen bereiten der Jungen CDA vor allem die Erfahrungen der Finanzkrise: Damals konnten die negativen Effekte auf dem Ausbildungsmarkt nicht korrigiert werden, die Zahl der jährlich abgeschlossenen Ausbildungsverträge stagnierte seitdem auf Nachkrisenniveau.

Zu befürchten ist, dass die Corona-Krise die strukturellen Probleme der dualen Ausbildung verstärkt und die Zahl der Ausbildungsverträge in Zukunft weiter sinkt.

Auffällig im letzten Jahr ist eine „doppelte Stauchung“: Obwohl die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze, wie auch der Bewerberinnen und Bewerber sank, stieg die Zahl der unbesetzten Stellen, sowie der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber.

Das wird vor allem auf die fehlende Umsetzung von Berufsorientierungsmaßnahmen zurückgeführt. Ausbildungsmessen, Berufsberatung an Schulen, Betriebspraktika waren 2020 – und auch jetzt – nicht, oder nur eingeschränkt möglich. Unentschiedenen Schülerinnen und Schüler fehlte damit die Möglichkeit, eine Ausbildung zu finden, die zu ihnen passt. Und auch der Kontakt zwischen Betrieben und den Jugendlichen kam nicht im gewohnten Maße zustande.

Die vom BIBB geschätzte Quote erfolgloser Bewerberinnen und Bewerber mit Hauptschulabschluss ist von knapp 14% auf 17% gestiegen. Bei Bewerberinnen und Bewerber mit Realschul- bzw. Gymnasialabschluss stieg die Quote von ca. 11% auf knapp 13,5% bzw. knapp 13% etwas weniger stark an. Bedenkt man, dass wir durch die fehlende Passung im letzten Jahr eine „Bugwelle“ an unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern mit in dieses Ausbildungsjahr nehmen und ein etwas stärkerer Schuljahrgang die Schulen verlassen wird, dann ist zu befürchten, dass durch die verstärke Konkurrenz um Ausbildungsplätze, sich die Zahl der erfolgloseren Bewerberinnen und Bewerber mit Hauptschulabschluss dieses Jahr noch deutlich erhöhen wird - vor allem vor dem Hintergrund sinkender Ausbildungsplatzangebote. Gaben Unternehmen in der Vergangenheit vor allem Rekrutierungsschwierigkeiten als Hauptgrund für einen Ausbildungsplatzabbau an, sind es laut einer aktuellen IAB Betriebsbefragung in diesem Jahr wirtschaftliche Unsicherheit und finanzielle Gründe, die zu einem Abbau von Ausbildungsplätzen führen könnte. Jeder 10. ausbildungsberechtigte Betrieb – vor allem Kleinst- und Kleinbetriebe – gaben an, krisenbedingt Ausbildungsplätze zu reduzieren oder ganz zu streichen.

Bereits im April des letzten Jahres hat die Junge CDA konkrete Unterstützungsmaßnahmen gefordert. Im August hat die Bundesregierung das Programm „Ausbildungsplätze sichern“ mit einem Volumen von 500 Millionen Euro gestartet. Es richtet sich an Betriebe mit bis zu 249 Beschäftigten, die von der Corona-Krise „erheblich betroffen“ sind. Betriebe, die trotz Krise die Zahl der Ausbildungsplätze konstant halten bzw. sogar erhöhen, erhalten eine Prämie in Höhe von 2000€ bzw. 3000€. Die gleiche Summe erhalten Betriebe, die Auszubildende aus insolventen Betrieben übernehmen und so die Fortführung der Ausbildung sicherstellen. Zusätzlich wird bis zu 75% der Ausbildungsvergütung erstattet, wenn Betriebe Kurzarbeit für Auszubildende vermeiden. Ein weiterer Fördertitel sieht Prämien bei der Auftrags- und Verbundausbildung vor. Im Dezember wurden bereits wichtige Anpassungen vorgenommen, um die Beantragung der Prämien einfacher zu machen und den Kreis der Antragsberechtigten auszuweiten.

Das Programm ist im Februar ausgelaufen, die Pandemie geht weiter. Die Bundesregierung hat bereits angekündigt, das Programm zu verlängern, auszuweiten und aufzustocken. Das begrüßen wir sehr, denn zur Sicherung der Ausbildungsplätze, sollte den Unternehmen, die auch im unsicheren Ausbildungsjahr 2021 ausbilden, Planungssicherheit gegeben werden. Eine Erhöhung der Prämien, Ausweitung der Anspruchsberechtigten auf Betriebe mit mehr als 249 Beschäftigten und die Verlängerung der Laufzeit ist aber alleine nicht ausreichend. Darüber hinaus muss:

  • In den nächsten Wochen die Berufsorientierung an Schulen prioritär behandelt werden. Dabei sollen die Berufsagenturen und regionalen Kooperationspartner kurzfristig entsprechende digitale Angebote zur Verfügung stellen und ggf. auf externes Knowhow zurückgreifen.

  • Langfristig eine auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler abgestimmte moderne und digital unterstütze Berufsorientierung in allen Schulen verankert werden.

  • Ein „Sommer der Ausbildung“ initiiert werden, bei der in Zusammenarbeit mit Sozialpartnern, Kammern und Ausbildungsträgern Angebote für Betriebspraktika geschaffen werden, um jungen Menschen einen Einblick in praktische Tätigkeiten geben zu können.

  • Ein bundesweites Förderprogramm „Werkstattjahr“ gezielt für Jugendliche ohne Schulabschluss oder mit besonderem Förderungsbedarf eingeführt werden, dass berufliche Qualifizierung mit praktischer Arbeit in Betrieb oder Trägereinrichtung verbindet.

  • Eine verlässliche Finanzierung der Berufseinstiegsbegleitung sichergestellt werden, deren Co-Finanzierung durch den ESF 2022 ausläuft.

  • Mehr Unterstützung für die Ausbildung für Menschen mit Behinderungen sowie in entsprechenden Werkstätten bereitgestellt werden, die aktuell teilweise nur mit erheblichem Mehraufwand möglich sind.

  • Mit einem „Pakt für Berufsschulen“ nötige Investitionen in Ausstattung, Digitalisierung und Personal in Berufsschulen angeschoben werden. Berufsschulen haben in der Bildungspolitik zu lange eine Nebenrolle gespielt. Fördermittel müssen dabei einfach und unbürokratisch abrufbar sein. Berufsschullehrerinnen und -lehrer müssen bei der Digitalisierung geschult werden. Der Beruf der Berufsschullehrerin bzw. des Berufsschullehrers muss stärker ins Bewusstsein gerückt und auch Quereinstiege aus der Praxis gefördert werden.

Um unser Ausbildungssystem werden wir international beneidet. Vor allem mit der Verbindung zwischen praktischem Lernen in den Betrieben und der theoretischen Begleitung in den Berufsschulen, sorgt die duale Ausbildung für die Fachkräfte von morgen. Deshalb ist es richtig, mit staatlichen Hilfen den Betrieben auch bei der Ausbildung unter die Arme zu greifen. Gleichzeitig muss auch deutlich werden, dass die Unternehmen nach wie vor in der Verantwortung stehen. Deshalb sind die Forderungen von Gewerkschaftsjugenden nach hohen Ausbildungsquoten in aktuellen Tarifverhandlungen, beispielsweise bei der Telekom, absolut richtig und haben die Unterstützung der Jungen CDA.

Denn für junge Menschen bedeutet eine Ausbildung Unabhängigkeit, Teilhabe und Chancengerechtigkeit in unserer Gesellschaft. Ausbildungsplätze in der jetzigen Situation zu sichern, sichert die Fachkräfte und den wirtschaftlichen Wohlstand, aber eben auch die Zukunftschancen junger Menschen auf einen guten Start ins Berufsleben.

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag