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Vor 150 Jahren geboren – Heinrich Brauns: Mann der Kirche – Streiter für die Christlich-Soziale Bewegung

Mittwoch, 10. Januar 2018

Heinrich Brauns als Kaplan in Krefeld (1890-1895) (Foto: KAS)

„Die Wirtschaft ist nicht Selbstzweck, sondern hat dem Volkswohl zu dienen. Umgekehrt kann aber auch die Sozialpolitik der wirtschaftlichen Grundlage nicht entbehren.“ 

Heinrich Brauns in: Wirtschaftskrisis und Sozialpolitik, Mönchengladbach 1924

Am 3. Januar 1868, also vor 150 Jahren wurde in Köln am Rhein Heinrich Brauns geboren. In kleinen Verhältnissen aufgewachsen hatte er schon früh ein Interesse an sozialen Fragen, deshalb nahm er schon als Jugendlicher an Versammlungen der örtlichen kath. Arbeiter­ vereine teil. Er wurde Priester und an seinen kirchengemeindlichen Wirkungsorten in Krefeld und Essen-Borbeck bekam er einen weiteren Einblick in die Lage der abhängig Beschäftigten und in die Arbeit der Christlichen Gewerkschaften.

Da er aus gesundheitlichen Gründen aus dem Pfarrdienst ausscheiden musste, wurde er mit neuen Aufgaben beim Volksverein für das Kath. Deutschland in Mönchengladbach betraut. Dort nahm sein Lebensweg eine neue Wendung, denn vor allem durch seine Bildungsarbeit wurde er Vorbild für viele Gewerkschafts- und Arbeitersekretäre, die an den von ihm gestal­teten „Volkswirtschaftlichen Kursen“ des Volksvereins teilnahmen. Zu den Lehrgangsteil­nehmern gehörten auch zwei, die für die CDA nach dem 2. Weltkrieg von großer Bedeutung waren, nämlich die ersten Bundesvorsitzenden der CDA, Jakob Kaiser und Johannes Albers.

Mit dem Wechsel in die Politik im Jahre 1919 begann ein weiterer Lebensabschnitt dieses herausragenden Mannes. In der Nationalversammlung arbeitete er an den Formulierungen der Weimarer Reichsverfassung mit, vor allem an den das „Soziale“ regelnden Paragrafen. Aber 1920 wurde dieser Schritt in die Politik zu einer neuen Herausforderung: Da zuerst gebetene das Amt des Reichsarbeitsministers nicht übernehmen wollten, wurde Heinrich Brauns gefragt. Auch er war unsicher, doch nach einer Zeit des Überlegens sagte er zu und übernahm diese schwere Aufgabe. Acht Jahre blieb er Arbeitsminister in 12 verschiedenen Kabinetten. In dieser Zeit erwarb er sich zumindest die Anerkennung für seine Leistungen über viele Parteigrenzen hinweg.

Die Arbeit von Heinrich Brauns gehört zu dem Fundament, auf dem heute nicht nur die Christlich Soziale Bewegung aufbauen kann, sondern auch die Einheitsgewerkschaften der Bundesrepublik. Die Betriebsverfassung und die Arbeitsverwaltung sind dafür beispielhaft:

 

Betriebsrätegesetz 1920 – betriebliche Mitbestimmung 0.0

Schon als Abgeordneter gehörte Heinrich Brauns zu jenen, die halfen das Betriebsräte­gesetz zur parlamentarischen Verabschiedung zu bringen. Pragmatisch, nicht revolutionär, warb er um mehr Mitbestimmung für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die gleich­berechtigte Teilhabe der Beschäftigten war sein Credo. Nicht alle Wünsche wurden damals erfüllt. Der Widerstand der Arbeitgeber war enorm. Mit diesem hatte Heinrich Brauns auch als Arbeitsminister zu kämpfen, obwohl es ihm in all seinem Tun immer darauf ankam, dass Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften gleichberechtigt ihre Angelegenheiten selbst regelten. Deshalb war er auch ein Freund der Tarifautonomie.

 

Zentrale Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung - sein Erfolg 1927

Mit dem „Arbeitslosenversicherungs- und Arbeitslosenvermittlungsgesetz – AVAVG“ wurde unter der Verantwortung von Heinrich Brauns eine lange Debatte um die Arbeitsmarktpolitik zu einem vorläufigen Abschluss geführt. Eine Arbeiter und Angestellte umfassende, selbst­verwaltete und reichsweite Institution wurde gebildet. Arbeitgeberorganisationen, Gewerk­schaften und Staat wirkten zusammen. Eine Parteigrenzen überwindende Positionsfindung im Gesetzgebungsprozess sorgte für die Mehrheit im Reichstag, denn die in den Organisa­tionen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber vorhandenen kritischen Stimmen blieben in der Minderheit. Nach einigen Anläufen war 1927 die Zeit reif, um die noch heute bestehenden Grundzüge der Arbeitslosenversicherung zu verabschieden. Heinrich Brauns hat hieran einen großen Anteil.

In Erinnerung an diesen Mann, seine Positionen und Politik gilt es für Christlich-Soziale die heutigen Probleme zu lösen. Bei der Mitbestimmung geht es darum, sie den modernen Anforderungen gemäß auszubauen. Mitbestimmung 4.0 bedeutet mehr Rechte für die betrieblichen Interessenvertretungen und Ausbau der Unternehmensmitbestimmung. Nicht weniger sondern mehr Teilhabe der Beschäftigten an der Gestaltung der Wirtschaft ist das Gebot der Digitalisierung. Und eine Arbeitsmarktpolitik 4.0 erfordert einen Ausbau der „Bildungssäule“ der Arbeitslosenversicherung: Qualifizierungsberatung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer und ein Recht auf Weiterbildung für die Beschäftigten einzuführen sind die Gestaltungsaufgaben der nächsten Zeit.

Zum Abschluss ein Zitat als Blick zurück, der Mahnung für heute und morgen ist:

„Im Vordergrund der Sozialpolitik des letzten Jahrzehnts steht demnach das Arbeitsrecht. Sein Leitgedanke ist die Anerkennung der Persönlichkeit des Arbeitnehmers. Diese erforderte vor allem seine Mitwirkung bei der Regelung der Arbeitsbedingungen, die ja Grundlage seiner Lebensgestaltung sind. Sie war nur möglich auf dem Wege kollektiver Vertragsabschlüsse, also über die Gewerkschaft auf der einen und den Arbeitgeberverband auf der anderen Seite.“

Heinrich Brauns in: Erinnerungsschrift des Reichsarbeitsministeriums, Berlin 1929

 Mehr zu Heinrich Brauns finden Sie hier  in der von der Konrad-Adenauer-Stiftung aufbereiteten Geschichte der CDU. 

Egbert Biermann

Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Christlich-Demokratischen
DGB Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter in der CDA

Landesverband Niedersachsen/Sachsen-Anhalt/Bremen