Aktuelles

Liefern am Limit - "Tischkicker und Feierabendbier ersetzen keinen Betriebsrat!"

Vergangenen Freitag hat sich unser CDA-Bundesvorstand mit der Initiative Liefern am Limit ausgetauscht. Sarah Jochmann berichtete von den unsäglichen Zuständen in der Lieferbranche. In Köln haben die Kuriere des Essenslieferanten „Deliveroo“ im Februar 2018 einen Betriebsrat gegründet. Allerdings entschied sich das Unternehmen bei keinem der fünf Betriebsräte den Arbeitsvertrag zu verlängern, als diese ausliefen.

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Beschlüsse

Sozialpolitische Forderungen der CDA für die Koalitionsverhandlungen

Beschluss des CDA-Bundesvorstands am 10. und 11. November 2017 in Karlsruhe

3,3 MB

Perspektiven bieten - Langzeitarbeitslosigkeit senken

Beschluss des CDA-Bundesvorstands am 29. und 30. September 2017 in Köningswinter

146 KB

Gute Arbeit, gutes Leben: Leitplanken für die Digitalisierung der Arbeitswelt

Beschluss der 37. CDA-Bundestagung am 20. und 21. Mai 2017 in Ludwigshafen

253 KB

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Unsere Positionen zum Thema

Arbeit hat Wert und Würde

Der Mensch ist wichtiger als die Sache. Arbeit hat Wert und Würde: Dieses Credo der Christlich-Sozialen leitet unser politisches Handeln. Es fußt auf unserem christlichen Menschenbild. Wir haben ein umfassendes Verständnis von Arbeit. Erwerbsarbeit, Familienarbeit und ehrenamtliches Engagement verdienen gleichermaßen gesellschaftliche Anerkennung.

Erwerbsarbeit schafft die Voraussetzung für ein eigenständiges Leben. Es ist Aufgabe von Staat und Politik, faire Chancen auf Teilhabe an Erwerbsarbeit für alle zu organisieren. Die Teilhabe an Arbeit ist ein soziales Grundbedürfnis. Denn Arbeit ist wertvoll, weil sie materielle Sicherheit und emotionale Stabilität schafft. Sie ermöglicht Menschen einen Platz in der Gesellschaft und stiftet Identität. Sie ermutigt zu Lebensentscheidungen wie Ehe und Familiengründung.

Nach unserem christlichen Menschenbild hat der Mensch Würde - auch die Arbeit, die er verrichtet, muss Würde haben. Diese Erkenntnis leitet uns. Wir wollen arbeitnehmerfreundliche Rahmenbedingungen für gute Arbeit schaffen.

Flexibilität und Sicherheit in Einklang bringen

Die Wirtschaft muss dem Menschen dienen, nicht der Mensch der Wirtschaft. Wir widersetzen uns Tendenzen, alle gesellschaftlichen Bereiche vollständig zu ökonomisieren. Kosten-Nutzen-Rechnungen und die Forderung nach Flexibilität haben in Arbeit und Wirtschaft ihre Berechtigung, aber auch eine Grenze: Die Würde und die Gesundheit der arbeitenden Menschen. Flexibilität der Beschäftigten in der Arbeitswelt ist notwendig. Genauso notwendig ist aber, dass Beschäftigung sicher und verlässlich ist. Die CDA steht dafür ein, Flexibilität und Sicherheit in eine Balance zu bringen, die die Beschäftigten und ihre Lebensperspektiven in den Mittelpunkt stellt.

Unser Leitbild ist eine menschengerechte Arbeitswelt. Menschengerecht ist die Arbeitswelt dann, wenn sie allen Menschen Teilhabe an auskömmlicher, stabiler und gesundheitsschonender Beschäftigung bietet. Aus christlich-sozialer Perspektive erfüllt gute, menschengerechte Arbeit vier Kriterien: Sie sichert das Auskommen, sie achtet die natürlichen Grenzen der Arbeitenden, sie hat einen Sinn und stiftet Identität und Gemeinschaft.

Gute Arbeit und Wohlstand für alle

Alle Bereiche der Politik sind gefordert, die Voraussetzungen für die Teilhabe an Erwerbsarbeit zu schaffen. Der Prüfstein für jede politische Maßnahme ist, ob sie zu guter Arbeit und Teilhabe an Wohlstand beiträgt. Politik braucht in diesem Sinne einen Gerechtigkeits- und Beschäftigungs-TÜV.

Wir treten für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt ein. Dazu bedarf es einer modernen Arbeitszeitpolitik sowie einer Familienpolitik, die alle Lebensmodelle gleichermaßen in den Blick nimmt.

Unser besonderes Augenmerk gilt den Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt nicht Fuß fassen oder benachteiligt sind. Jeder wird gebraucht! Die Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit ist eine der wichtigsten Aufgaben der Politik. Wir fordern eine Stärkung des präventiven Charakters der Arbeitslosenversicherung.

Langzeitarbeitslosigkeit widerspricht dem christlich-sozialen Anspruch, dass jeder Mensch ein Anrecht auf Teilhabe hat, in besonderer Weise. Langzeitarbeitslose Menschen brauchen neue Chancen durch ganzheitliche Unterstützung. Diese Hilfen müssen an der persönlichen Situation Maß nehmen und schrittweise zur Wiedereingliederung in Arbeit und Beschäftigung führen.

Wir treten für eine dauerhafte Integration von Menschen mit Behinderung in das Arbeitsleben ein.

Auskömmliche und gerechte Entlohnung von Arbeit

Jeder soll von seiner Arbeit leben können. Sozialpartnerschaft und Tarifautonomie sind die besten Garantien für eine faire Lohnfindung. Ein gerechter Lohn wird auf Augenhöhe von Arbeitgebern und Gewerkschaften ausgehandelt. Gerade in der Finanzkrise nach 2008 hat sich gezeigt, wie wertvoll das Erfolgsmodell Tarifpartnerschaft für unser Land ist. Die CDA fordert alle Beschäftigten auf, in Gewerkschaften einzutreten. Und sie fordert alle Arbeitgeber auf, in tarifschließenden Arbeitgeberverbänden Mitglied zu werden.

Zur gerechten Entlohnung gehört auch der gesetzliche Mindestlohn als untere Auffanglinie. Wir wollen gleiche Entgeltchancen für Männer und Frauen. Wir plädieren für bessere Rahmenbedingungen bei der Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand und bei der Mitarbeiterkapitalbeteiligung.

Verlässliche und stabile Beschäftigung

Menschengerechte und wertgeschätzte Arbeit ist verlässlich und stabil. Sie macht das Leben planbar und gibt Sicherheit und Rückhalt für Lebensentscheidungen. Unser Leitbild ist das sozialversicherungspflichtige, unbefristete und auf Basis eines Tarifvertrags entlohnte Arbeitsverhältnis.

Eine gesundheitsschonende Gestaltung der Arbeit

Menschengerechte und wertgeschätzte Arbeit muss Leib und Seele schonen. Sie verhindert Fehlbelastungen und Gefahren am Arbeitsplatz und nimmt Rücksicht auf die individuelle Leistungsfähigkeit der Beschäftigten. Sie ermöglicht autonomes und abwechslungsreiches Arbeiten. Wir setzen uns für eine Weiterentwicklung des Arbeitsschutzes und einen Ausbau des betrieblichen Gesundheitsmanagements ein, um den Gesundheitsschutz in der Arbeitswelt zu verbessern. Dabei geht es auch um psychische Belastungen. Sozialpartner, Sozialversicherungen und Staat sind gefordert, eine neue Kultur des gesundheitsschonenden Arbeitens wachsen zu lassen.

Arbeit und Muße gehören zusammen. Wir bekennen uns zum Schutz des Sonntags als Tag der Ruhe und der Gemeinschaft.

Mehr Mitbestimmung

Arbeitnehmer müssen in allen wirtschaftlichen und sozialen Fragen ein wirksames Mitbestimmungsrecht haben. Nur so ist sichergestellt, dass die Interessen der Beschäftigten bei der Gestaltung ihrer Arbeit berücksichtigt werden. Mitbestimmung ist ein elementares Prinzip der Sozialpartnerschaft - und nützt auch den Arbeitgebern. Sie garantiert den sozialen Frieden in unserem Land. Mitbestimmung ist ein zutiefst christlich-soziales Prinzip. Die Christlich-Sozialen haben die Mitbestimmung in Deutschland durchgesetzt.

Wir ermutigen alle Mitglieder der CDA, sich in der Mitbestimmung zu engagieren. Wir wollen, dass möglichst viele Beschäftigte über gewählte Interessenvertreter, insbesondere Betriebs- und Personalräte, verfügen. Die betriebliche Mitbestimmung muss daher auch in neuen Formen der Betriebsorganisation Anwendung finden, Mitbestimmungsrechte müssen ausgeweitet werden. Zugleich befürworten wir eine weitgehende Unternehmensmitbestimmung.

Unsere Standards in der Mitbestimmung dürfen durch europäisches Gesellschaftsrecht und internationale Verträge nicht unterlaufen werden.

Gute Arbeit auch in der digitalisierten und globalisierten Welt

Mit der Digitalisierung aller Sektoren des Wirtschaftslebens entsteht eine neue Arbeitswelt. Sie wird geprägt von Automatisierung und selbststeuernden Systemen, von vernetzten Arbeitsprozessen mit neuen Arbeitsformen und Berufsfeldern. Darin liegen Chancen für mehr Innovationen, mehr Wohlstand und Beschäftigung, eine bessere Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Familie sowie bessere Arbeitsbedingungen und neue Formen der Arbeitsplatzgestaltung. Die Digitalisierung enthält Potenzial für eine ganz neue Arbeitskultur, die sich an den Interessen der Beschäftigten in der digitalen Arbeitswelt orientiert.

Aber die Digitalisierung birgt auch Risiken: Tätigkeiten und Berufsbilder brechen weg, die Technik macht ständige Erreichbarkeit und permanente Kontrolle der Beschäftigten möglich - und fördert so die Entgrenzung von Arbeit, lässt die Trennung zwischen Arbeitsplatz und Privatsphäre sowie zwischen Arbeit und Freizeit unschärfer werden. Wir wollen den digitalen Wandel aktiv und bewusst gestalten. Denn auch in der digitalen Welt verlangt die Würde des arbeitenden Menschen nach menschengerechter Arbeit. Wir setzen uns für ein Recht auf Freizeit ein.

Im verarbeitenden Gewerbe findet unter dem Begriff "Industrie 4.0" eine grundlegende Veränderung der Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen statt. Die Industrie ist das Rückgrat unserer Wirtschaft; das hat sich gerade im Zuge von Finanzmarktkrisen gezeigt. Wir wollen eine starke Industrie auch im Zeitalter der Digitalisierung. Industrie 4.0 bringt Chancen auf Wohlstand und qualifizierte Arbeit, aber auch Risiken für die Beschäftigten mit sich: Dazu gehören Arbeitsplatzverluste, Entfremdung und Überwachung. Wir wollen allen die Teilhabe an Arbeit ermöglichen und gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten durchsetzen. Dem Zugang zu Qualifizierung und Weiterbildung kommt für die Sicherung guter und selbstbestimmter Arbeit eine besondere Bedeutung zu.

Wir wollen Tätigkeiten, bei denen Menschen auch in hochkomplexen und technisierten Arbeitssystemen eigenständig und mit Entscheidungsspielraum handeln. Wir wollen, dass auch in der digitalen Arbeitswelt mit ihren oft neuartigen Arbeitsprozessen Mitbestimmung, Tarifverträge und arbeitsrechtliche Schutzbestimmungen für Beschäftigte greifen; dazu gehört auch ein wirksames Arbeitnehmerdatenschutzrecht. Wir wollen Teilhabegerechtigkeit und soziale Absicherung auch in der digitalen Arbeitswelt: Der Zugang zur Vernetzung darf keine Frage der Branche oder des Wohnortes, Standortes oder Einkommens sein.

Auch die Globalisierung hat den Wettbewerb verschärft, das Tempo von Innovationen gesteigert und dadurch unser Arbeitsleben massiv verändert. Der globale Wettbewerb setzt auch mittelständische Unternehmen unter Druck, Verlagerungen von Arbeitsplätzen vorzunehmen. Die altbewährten Aushandlungsprozesse in den Betrieben und die notwendigen Schutzregelungen durch die Politik halten in Tempo und Komplexität kaum mehr Schritt. Die Arbeitsverdichtung nimmt zu, von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern wird Flexibilität und Mobilität erwartet, aber Kinder und Familien brauchen Stabilität.

Die "Humanisierung der Arbeit" erlangt vor dem Hintergrund von Digitalisierung und Globalisierung eine neue Bedeutung. Wir machen uns dafür ebenso stark wie für eine Anpassung der sozialen Sicherungssysteme an die neuen Herausforderungen.

Die Chancen von Digitalisierung und Globalisierung zu nutzen und zugleich sozial zu gestalten: Das ist die Aufgabe der Politik!

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