Der CDA Kreisvorstand (Christlich-demokratische Arbeitnehmerschaft) befasste sich in seiner letzten Sitzung mit den langfristigen Folgen der Corona-Pandemie. Alle waren sich einig, dass die Welt nach Corona wesentlich anders aussehen wird als vorher.

Solange kein Impfstoff oder andere Medikamente diese Viruserkrankung erfolgreich bekämpfen können, wird sich die Gesellschaft weiter in einem unwirklichen Zustand bewegen. Hierbei hat Deutschland auf Grund seines hervorragenden Gesundheitswesens und der verantwortungsvollen Entscheidungen von politischen Gremien eine gute Ausgangsposition. Trotzdem sind auch in Deutschland die Folgen sowohl im wirtschaftlichen, gesellschaftlichen als auch kulturellen Bereich überall sichtbar. Besonders hart hat es u. a. die Touristikbranche, die Fluggesellschaften, die Schausteller, die Messebauer und alle Kulturtreibende getroffen.

Doch welche Lehren ziehen wir aus dieser Krise? Viele Dinge, die man bisher vorsichtig nur andiskutiert hat, sind auf einmal Realität geworden. Homeoffice und E-Learning mussten sich etablieren und werden sicher auch nach Corona weiter, wenn auch in reduzierter Form, praktiziert. Beim Homeoffice muss sich eine neue Vertrauensbasis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer entwickeln. Auch strukturelle Schwächen, wie fehlende Glasfaserversorgung im ländlichen Raum, sind dabei zu Tage getreten.

Besonders verheerend sind die Folgen im Schulsektor, denn der monatelange Unterrichtsausfall im Klassenverbund war besonders für die Entwicklung der Kinder aus bildungsfernen bzw. sozialschwachen Haushalten dramatisch. Verschärfend hinzu kommt die schon seit Jahren verschlafene Digitalisierung der Schulen. Bildung ist unsere wertvollste Ressource – dementsprechend sollten wir auch damit umgehen. Gleiches gilt für unsere demokratischen Werte.

Ein weiteres Thema ist die Überlastung im Gesundheitswesen, hier besonders in der Pflege. Corona hat uns einerseits erneut den Fachkräftemangel vor Augen geführt und zugleich, welchen wichtigen gesellschaftlichen Stellenwert Pflegerinnen und Pfleger einnehmen – gerade in der emotionalen Extremsituation Quarantäne haben sie Außerordentliches geleistet. Pflegerische Berufe müssen eine deutliche Aufwertung erfahren, wenn wir vor dem Hintergrund des immer weiter fortschreitenden demografischen Wandels nicht langfristig in eine Katastrophe rutschen wollen, stellte der CDA Kreisvorstand heraus.

Das System der „bewussten Verantwortungslosigkeit“ in der Arbeitswelt, wie uns der Fall „Tönnies“ zeigt, ist durch Corona ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Das Beispiel Dänemark zeigt uns, dass es auch ohne Werkverträge und Leiharbeit geht. Leider hat auch das von der CDA geforderte Mindestlohngesetz hier nicht ausgereicht, um durch humane Arbeitsbedingungen die Arbeitnehmer zu schützen. Unsolidarisches Wirtschaften in Form nicht mehr vorhandener Tarifbindungen in Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften ist auf sehr krasse Art wieder einmal öffentlich geworden, so die Christlich-Sozialen.
Ein neues Umweltbewusstsein auf Grund von zwei Hitzesommern und CO2-Problemen in Großstädten haben unsere Automobilindustrie als wichtigen deutschen Wirtschaftszweig schon vor Corona in eine Strukturkrise geführt und durch Corona noch verstärkt. Hier wird es vermutlich zu weiterem Arbeitsplatzabbau kommen, der durch gezielte Strukturprogramme abgefedert werden muss. Auch den Airlines wird es durch digitale Alternativen wie z. B. die Nutzung von Videokonferenzen langfristig an Flugkundschaft fehlen. Und auch der internationale Tourismus wird sich erst nach erfolgreicher Bekämpfung des Virus langsam erholen.

Sowohl Deutschland als auch seine Nachbarländer in der EU haben sich durch gewaltige Staatsverschuldungen gegen die wirtschaftlichen Folgen gewehrt. Durch die daraus folgenden jahrzehntelangen Rückzahlungen sind Reserven für zukünftige Krisensituationen nicht mehr vorhanden. Deshalb müssen alle Fördergelder verantwortungsbewusst und nachhaltig eingesetzt werden.

Fazit: Selbst, wenn wir heute noch in eine Glaskugel schauen, steht fest, dass sich durch Corona unser Leben verändert hat und nachhaltig verändern wird. Wir können aber als gesamte Gesellschaft die Chance ergreifen, diese unvermeidlichen Veränderungen positiv zu gestalten. Dabei muss der Dienst am Menschen wieder einen höheren Stellenwert erhalten. Der CDA-Leitsatz: „Der Mensch ist wichtiger als die Sache – für eine humane Gesellschaft“, sollte uns gerade während Corona begleiten. „Vielleicht werden die Menschen, trotz Abstandsregelungen, wieder näher zusammenrücken wie man z. B. bereits an Nachbarschaftshilfe oder generationenübergreifenden Aktionen sehen kann, in denen junge Menschen anbieten, für Ältere einzukaufen“, so Kreisvorsitzender Günter Obermeier abschließend.


Bild von Orna Wachman auf Pixabay

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