Im Rahmen der CDA Kreistagung Minden-Lübbecke hielt der Ehrenpräsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst aus Bielefeld im Müllerhaus in Hille ein vielbeachtetes Referat zum Thema: „Wie bekommen wir den Landärztemangel in den Griff“?

Allein durch mehr ältere Menschen, eine sich weiter steigernde Lebenserwartung und durch eine Verdoppelung der Singlehaushalte in den letzten 40 Jahren hat und wird es einen höheren Bedarf an medizinischer Betreuung geben, stellte Windhorst ernüchternd fest. Zusätzlich werden natürlich auch die Ärzte älter. Im Mühlenkreis praktizieren zurzeit schon über 175 ambulant tätige Ärzte im Alter von über 60 Jahren. Ihr Anteil liegt in Bad Oeynhausen bei 35 %, in Espelkamp bei 50 % und steigert sich in Porta Westfalica auf 57 %. Insgesamt ist die Tendenz auch hier weiter steigend, so dass man feststellen kann, dass sich die jetzige Situation noch weiter zuspitzen wird. Erschwerend kommt hinzu, dass junge Ärzte und vor allem Ärztinnen vermehrt Teilzeitstellen benötigen. Windhorst erklärte, dass man auf Grund dieser Situation heute für 10 ausscheidende Ärzte 13-15 Mediziner neu ausbilden müsse.

„Wir haben den Mangel im klinischen Bereich durch ausländische Ärzte teilweise wett gemacht. Nur sollte man bedenken, dass in deren Heimatländern auch eklatanter Ärztemangel herrscht. Ich habe in Rumänien Kliniken erlebt, wo nicht mehr unter Narkose operiert werden kann, weil es dort keine Anästhesisten mehr gibt. Wie lange können wir uns das aus ethischen Gründen noch erlauben “, stellte Windhorst in Frage.

Um aus dieser Misere herauszukommen, sei die von Minister Laumann (CDU) initiierte Landarztquote ein erster wichtiger Schritt. Auch die teilweise Abschaffung des Numerus Clausus beim Zugang zum Medizinstudium zeige in die richtige Richtung. „Wir brauchen motivierte Studenten und keine Karrieristen“, so Windhorst wörtlich.

Einen großen Erfolg verspricht sich Dr. Windhorst von den 60 Medizinstudienplätzen bei den Mühlenkreiskliniken in Kooperation mit der Ruhruniversität Bochum. Denn durch eine Studie in Sachsen habe man bei jungen Medizinern festgestellt, dass 70 % nach dem Studium gerne in die Heimat zurück gingen. „Unser Ziel muss es sein, Medizinstudenten aus der Region für die Region zu begeistern“, regte Windhorst an. Auch die neue medizinische Fakultät mit 300 Studienplätze in der Endstufe an der Bielefelder Universität werde langfristig der medizinischen Versorgung hier auf dem Land weiterhelfen, ist sich Windhorst sicher. „Da ist viel Geld in Düsseldorf locker gemacht worden“.

Zusätzlich müssen vor Ort durch Gemeinschaftspraxen, Digitalisierung und Optimierung der Zusammenarbeit zwischen ambulanten und klinischen Praxen zeitgemäße Strukturen geschaffen werden, um die ländlichen Regionen für Jungmediziner attraktiv zu gestalten.

Dr. Windhorst abschließend: „Nachdem es Jahrzehnte einen Stillstand in der Medizinausbildung in OWL gab, hat sich in den letzten Jahren viel bewegt. Immerhin leben 46 % der Bevölkerung NRWs in Westfalen, aber nur 28 % der Medizinstudienplätze sind zurzeit hier.“

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